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Start Rückblick Rückblick 2010 - Frühjahrstour

Rückblick 2010 - Frühjahrstour

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Andere Dimensionen

Endlos erscheinende Weite beim Blick über Buschregionen und Steppe.
3.000 Kilometer in knapp 3 Wochen auf klassischer Route durch das südliche Namibia.
Afrika und Namibia, immer wieder ein schönes Gefühl für mich. Und  dies wollte ich auch  meinen Mitreisenden vermitteln: Den Afrika-Virus, eine unheilbare Krankheit.

Michael, genannt Ritschi aus Borken und Alex aus Stuttgart sind schon seit einigen Jahren mit der Afrika-Krankheit infiziert Von meiner Person und Irmtraud erst
gar nicht zu sprechen. Neu hinzu gekommen sind:
Maik aus Wabern
Andrea aus Hamburg
und Petra aus Hagen
 

Doch jetzt der Reihe nach: In Joe`s  Bierhouse  in Windhoek ein letztes Steak, dann rief die Pad. Auf nach Süden, Richtung Keetmanshoop.
Rund 13 Kilometer nordöstlich von Keetmanshoop liegt der spektakuläre, viel fotografierte und mittlerweile zum National Monument deklarierte Köcherbaum Wald auf der Farm Gariganus.
Der Köcherbaum - oder "Kokerboom" in Afrikaans - ist besonders im heißen und trockenen Süden Namibias heimisch. Die bis zu neun Meter hohen Gewächse sind Sukkulenten. Sie passen sich an die extremen Umweltbedingungen an, indem sie in ihrem Stamm Wasser speichern. Köcherbäume blühen erstmals nach 20 bis 30 Jahren und können bis zu 300 Jahre alt werden. Das Holz ist sehr leicht und innen schwammig. Da sich Stamm und Äste leicht aushöhlen lassen, wurden sie von den einst hier lebenden Buschmännern als Köcher für ihre Pfeile benutzt. Die Köcherbäume befinden auf einer Farm mit angeschlossener Campsite und bot sich natürlich für die Übernachtung an. Zumal, wenn man auch die Möglichkeit hat Geparden in die Augen zu sehen und zu streicheln. Die Möglichkeit wurde auch ausgiebig genutzt, wenn auch anfangs mit gemischten Gefühlen. 
Unvorstellbar, dass in einigen hundert Kilometer Entfernung ein riesiger Canyon sein soll- der Fish River Canyon. Und es ist heiß in diesem Teil Namibias. Der Canyon am Unterlauf des Fisch-Flusses gehört zu den eindrucksvollsten Naturschönheiten im südlichen Teil Namibias. Mit seiner Tiefe von bis zu 550 Metern gilt der Fish River Canyon - nach dem Grand Canyon in Amerika - als zweitgrößter Canyon der Welt. 
Die Schlucht windet sich über eine Distanz von rund 160 Kilometern durch das zerklüftete Koubis-Bergmassiv bis hinunter nach Ai-Ais und ist Teil eines Naturparks. Und in diesem Naturpark, dem Hobas Camp, schlugen wir unser Camp auf.
Nur 10 km trennten uns vom Canyon Rand und die Blicke auf den Canyon sind für jeden von uns sehr beeindruckend.
Ai-Ais, unsere nächste Etappe liegt in einer anderen Welt. Auf dem Weg dorthin, obwohl nur 90 Kilometer entfernt, hinter jeder Biegung ein anderes Bild.
Aus den Quellen von Ai-Ais sprudelt Thermalwasser. Es ist rund 60° C heiß und bedeutet in der Sprache der Nama 'brennendes Wasser'.
Im Sommer, zwischen November und Februar, ist Ai-Ais jedoch geschlossen. In der engen, sehr tief liegenden Schlucht des Fish River staut sich dann die Hitze. Die Temperaturen steigen bis auf 45° C, nicht selten sogar noch höher.
Die Faszination Fish River Canyon wirkte noch lange nach, auf unserem Weg zum Oranje, dem Grenzfluss zwischen Namibia und Südafrika wo uns eine wunderbare Landschaft erwartete die uns zum „Wilden Camping“ direkt am Flussufer einlud.  
Und weiter ging es wieder in nordwestliche Richtung mit Ziel Lüderitz. Lüderitz ein etwas verschlafener Ort. Die Gründerstadt Namibias - sie zählt heute ca. 20.000 Einwohner - am Rande der Namib Wüste wurde auf den nackten Granitfelsen gebaut und ist den oft stürmischen Atlantikwinden ausgeliefert wie kein anderer Ort in Namibia. Auch Seenebel und gelegentliche Sandstürme tragen zum rauen Klima in Lüderitz bei.
Wenigstens empfängt uns kein Nebel als wir dort eintreffen. Auf der Haifisch Insel, einer kleinen Halbinsel,  kann man dazu das Denkmal von Adolf Lüderitz besichtigen. Dem Gründer der Stadt Lüderitz. Zugleich hat man von hier aus eine wundervolle Aussicht auf Stadt und Hafen. Der Bremer Kaufmann Lüderitz kaufte im Jahr 1883 von den Namas Land und dort begann auch die deutsche Kolonialgeschichte. Niemand ahnte, dass in den Dünen der Namib einige Jahre später die größten Diamantenvorkommen der Erde gefunden werden würden. Alles stürmte in die Wüste vor Lüderitz, in der Hoffnung auf das schnelle Glück, wo innerhalb von zwei Jahren der Ort Kolmannskuppe in dem Wüstenboden entstand. Mit Kasino, Krankenhaus und exklusiven Wohnhäusern. Kolmannskuppe ist heute eine Geisterstadt, obwohl, betritt man die Turnhalle oder die Kegelbahn, entsteht fast das Gefühl als sei erst gestern das Licht gelöscht worden.
Noch ein letzter Sonnenuntergang in einem der Strandlokale bei Seafood und Wein.  Fangfrischen Fisch und Meeresfrüchte bedeuteten auch für unseren Speiseplan eine Abwechslung.
Über Maltahöhe ging es weiter Richtung Namib Wüste, jedoch nicht ohne dem auf dem Weg liegenden Schloß Duwisib einen Besuch abgestattet zu haben.  
Der preußische Aristokrat Baron Hansheinrich von Wolf - er hatte zuvor in der Schutztruppe gedient - und seine begüterte amerikanische Ehefrau Jayta ließen Schloß Duwisib um 1908 bauen. Das Schloß aus rotem Sandstein in der kargen Halbwüste hat 22 Zimmer, einen Rittersaal und einen schattigen Innenhof mit Springbrunnen. Von Wolf kaufte mehrere umliegende Farmen auf und begann auf seinem über 50.000 Hektar großen Anwesen eine Pferdezucht im großen Stil. Bei Ausbruch des 1. Weltkriegs befanden sich die Wolfs auf einer Seereise, und Baron von Wolf meldete sich sogleich als Offizier. Er fiel 1916 in den Schützengräben in Frankreich. Das Schloß wurde 1979 vom Staat erworben, restauriert und ist heute ein Museum.
Der übernächste Tag brachte uns dann auf einsamer, aber weiterhin guter Piste der Namib Wüste entgegen. Die ersten Dünen tauchten auf als wir Sesriem, das Tor zum berühmten Sossusvlei erreichten. Wir befanden uns nun am Rand der Namib Wüste, einer der ältesten Wüsten der Erde mit seinen bis zu 450 m hohen Dünen. Am anderen Morgen sitzen wir vor Tagesanbruch im Auto und fahren durch eine Märchenlandschaft aus Sanddünen. Langsam, aber mit voller Kraft erscheint die Sonne und verwandelt die Farben der Dünen in unzählige Farbspiele. Wir bestaunten diese Welt aus Sand, Sonne und Farben im Sossusvlei.
Danach standen 3 Nächte auf Farm Rooiklip auf dem Programm.
Rooiklip ist etwa 7000 ha groß und für mich schon so etwas wie eine zweite Heimat in Namibia geworden.
Die Farm, gelegen am Rand des mächtigen Gamsberges wartete dazu noch mit einer Farmrundfahrt auf der ca. 7000 Ha großen Farm auf. Kudus, Zebras, Oryx und vielem mehr, rundeten den Aufenthalt  ab.
Und dann wurde es Deutsch: Swakopmund, wo der Atlantik die kalte Schulter zeigt. Ein durch und durch deutsches Städtchen mit einem „Alten Amtsgericht“, einem Woehrmannhaus- und Hohenzollernhaus. Und im Cafe Anton kann man es sich bei Apfelkuchen gut gehen lassen. Und dies alles im tiefsten Süden Afrikas. Duftender Bohnenkaffee und deutsche Schlager lassen mich manchmal schon zweifeln ob ich überhaupt in Afrika bin. Wir ließen alles auf uns einwirken und erkundeten Kleindeutschland zu Fuß.  Verlaufen ist  nicht drin, gehen doch die Schlosser Straße, Moltke Straße und wie sie alle heißen, ineinander über.
Nur noch 360 Kilometer trennten uns von Windhoek um den Kreis wieder zu schließen. Namibia: Es erstaunt mich immer wieder, wie viele Gesichter dieses phantastische Land hat.
Wir erhielten tolle Einblicke in Landschaften, Vegetationen und die Tierwelt.
Eine Tour von über 3000 Kilometern liegt hinter uns, die für alle Mitreisenden sehr eindrucksvoll und voller neuer Erfahrungen gewesen sein dürfte. So war diese Tour mehr als nur eine lohnenswerte Erfahrung. Und keine Lodge und kein Reisebüro kann Afrika so nah und intensiv vermitteln wie wir es auf dieser Tour Er-fahren haben. Was fehlte, war mal wieder die Zeit. Namibia ist eben kein Land zum durcheilen.
Aber was soll’s. Ist Afrika wirklich so weit? Nein, maximal elf Flugstunden von Frankfurt entfernt. Und ich werde das Gefühl nicht los, dass fast alle vom Afrika-Virus infiziert wurden,
dieser rätselhaften unheilbaren Krankheit. Aber wir kommen ja wieder....

 
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