• Increase font size
  • Default font size
  • Decrease font size
Start Erlebnisberichte Schwarzafrikanische Er - Fahrungen

Schwarzafrikanische Er - Fahrungen

E-Mail Drucken PDF

Hautnah die Natur erleben, die unendlichen Weiten der Wüste durchfahren, das waren bisher meine Träume. Die ich einmal mit dem Motorrad und einmal mit dem Geländewagen realisierte. Und automatisch tauchten Erinnerungen an die algerische Sahara auf.
Leider wurde dieses Abenteuer durch religiöse Unruhen in Algerien eingeschränkt. Damit wollte ich mir aber den lang ersehnten Urlaub nicht vermiesen lassen und suchte nach einer Alternative.
Wüste und Sand sollte es schon geben, und als Steigerung - wenn möglich - auch noch wilde Tiere.
Die Wahl fiel auf Namibia, Botswana mit der Kalahari und den Sambezi mit den Victoria-Fällen in Simbabwe. Trotzdem sollten sich diese Länder grundsätzlich von nordafrikanischen Ländern unterscheiden.

Doch vor diesem Abenteuer lag ein weiter Weg, bis der Jumbo der Air Namibia im März 1994 mit Richtung Windhoek in Frankfurt abhob.
Begonnen hatte das Unternehmen wie meine erste Reise in die algerische Sahara mit einer Anzeige in einer Reisezeitschrift: Suche Mitfahrer für Namibia, Botswana und Simbabwe für März/April 1994. Geplant ist eine Tour mit Geländewagen, die in Windhoek, der Hauptstadt Namibias, beginnen sollte. Ein leichtes Unterfangen ohne große Probleme. Und wie mir bereits bekannt, liegt das Problem weniger daran, interessierte Leute kennenzulernen, sondern eher darin, geeignete Partner mit etwas Erfahrung im Oudoor Bereich zu finden. Aber die Sorge wurde mir bald abgenommen und ich hatte das Glück, Personen kennenzulernen, deren Ziele und Vorstellungen, die diese Reise betreffen, sich mit den meinigen deckten, so daß letztlich noch ein zweiter Geländewagen hinzu kam.

Wir vereinbarten ein Wochenende in Stuttgart, einmal um uns näher kennenzulernen und zum anderen, um Detailfragen über Routen, Ausrüstungsgegenständen und dergleichen mehr zu klären.
Wir: das waren meine Person mit Ehefrau Irmtraud. Kollege Martin aus Mörfelden-Walldorf als Benjamin, Kurt aus Tirol, Horst-Dieter, genannt Brummer mit Frau Moni aus Fellbach. Und letztlich kam noch Conny aus Frankfurt dazu.
Nun waren wir komplett, und aus meiner geplanten Tour wurde eine Gemeinsame, der nun nichts mehr im Wege stand.
Die Allradfahrzeuge waren reserviert, die Flüge gebucht und das restliche Equipment sollte vor Ort,- unserem Ausgangspunkt Windhoek - gekauft werden.

Das Abenteuer konnte beginnen.

Pünktlich in den frühen Morgenstunden des 13. März 94 setzte nach einem anstrengenden Nachtflug der Flieger auf dem Windhoeker International Airport auf.
Sonne, blauer Himmel und 20 Grad erwarteten uns nach dem tristen Märzwetter in Deutschland, als uns Kurt, der zwei Tage vor uns flog, am Airport abholte. Europa, Streß, Staus und verschmutzte Luft lagen weit zurück, als wir in westliche Richtung mit dem Ziel Dan Viljoen Game Park   fuhren. schwarzafrikanische-erfahrungen_01Unserer ersten Station in Namibia und zwanzig Kilometer außerhalb Windhoeks gelegen.
Bereits auf der Fahrt vom Flughafen in die Hauptstadt Windhoek gab es Gelegenheit Deutsch zu buchstabieren. Die ersten Farmen gehörten Familien mit Namen Kapp und Finkenstein.
Der große Trockenfluß, den wir überquerten, ist nach dem eisernen Kanzler Bismarck-River benannt. Es war fast wie in Deutschland, wäre da nicht der Linksverkehr. Trotzdem machte es uns Deutschen Spaß, uns in Windhoek zu orientieren. Die Knudsen,- Krupp- und Leutweinstraße gehen ineinander über. Fast wie in einer deutschen Stadt; prägend ist noch das Erbe, das die Deutschen hinterlassen haben. Und als wir am Autoradio drehten, stießen wir unweigerlich auf einen deutschen Sender.
Viel Vertrautes in einer fremdartigen Umgebung und relativ stabile politische Verhältnisse sollten ungetrübten Aufenthalt versprechen.
Wir steuerten den Dan Viljoen Game Park an. Sehr schön am Ostrand des Khoma Hochlandes gelegen.
Ausgestattet mit einem Campground und den typisch afrikanischen Rondavel-Hütten, von denen Kurt bereits zwei angemietet hatte. Der Dan Viljoen Park diente uns als Ausgangspunkt. Von hier aus tätigten wir die letzten Einkäufe.
Statteten die Autos mit allem zum überleben notwendigen Accessoires, wie Lebensmittel, Werkzeug, Kanister und Campingausrüstung aus. Schließlich sollte uns die Tour fast fünftausend Kilometer weit führen. Wobei sich mit Endstation Windhoek der Kreis wieder schließen soll.
Im Dan Viljoen Park angekommen machte Martin schon die ersten Erfahrungen im Umgang mit der afrikanischen Tierwelt; er wollte einen Pavian mit einem Melonenstück füttern. Nur waren die Paviane schlauer und klauten gleich die ganze Melone anstatt sich mit einem Stück zufrieden zu geben. Wobei sich  die auf dem Tisch befindlichen Flaschen gleich mit zu Bruch gingen. Das Gelächter war anschließend groß, während Martin noch der Schreck in den Knochen saß.
Andern tags übernahmen wir den zweiten Geländewagen, kauften ein, vergaßen auch nicht die obligatorischen Steaks, um dem namibischen Volkshobby, dem Grillen, nicht nachzustehen.
Wir packten schon mal zur Probe. Schlugen die sich auf den Autos befindlichen Dachzelte auf und waren angenehm von den Ausrüstungsgegenständen überrascht. Vieles, so auch die Dachzelte, befanden sich in einem neuwertigen Zustand. Wir waren überrascht, genauso überrascht wie beim abendlichen Grillen, als sich herausstellte, daß Brummer von Haus aus "Koch" ist und er sein Handwerk verstand, wie sich im Verlauf der Reise noch herausstellten sollte. Nach einem guten Essen sieht vieles dann doch rosiger aus, so auch der letzte Abend im Dan Viljoen Park, als wir schon glaubten, die Hitze und den Sand zu spüren.
Die Flasche Whisky, die an diesem Abend daran glauben mußte, tat dann ihr übriges beim Schlafengehen.
Am nächsten Morgen herrschte Aufbruchstimmung. Wir fuhren Richtung Bobabis mit dem Ziel: botswanische Grenze. Wobei wir hofften, am Abend die Grenze erreicht zu haben. Zunächst jedoch Gobabis. Ein makelloses Asphaltband führte neben der Bahnlinie durch Savannen-Hügelland nach Gobabis. schwarzafrikanische-erfahrungen_02Alle Straßen in Namibia sind übrigens in ein Nummernsystem eingeordnet.
B=Fernstraßen und C=Neben-straßen, sowie diverse Pads. Und man sollte Karten danach qualifizieren, wie gut die Nummern eingezeichnet sind. Im namibischen Hinterland sollte sich das später noch bemerkbar machen, daß die Nummern wichtiger sind als die Ortsnamen.
Wir erreichten Gobabis. Gobabis liegt an den Ufern des Nosob Rivers. Jedoch fließt nur nach starken Regenfällen Wasser im Flußbett. Der Ort besteht aus etwa  5.000 Einwohnern und ist auch Versorgungs-punkt für das umliegende Farmland. Und heute auch für uns.

Wir kauften Fleisch und Gemüse, füllten die Kraftstofftanks randvoll, ebenso die Reserve- und Wasserkanister. Alkoholfreie Getränke in Dosen und natürlich Bier. Alkoholische Getränke gibt es ja nur in speziellen Bottle Stores. Wobei das Namibische Bier nach deutscher Tradition gebraut wird und auch immer reichlich vorhanden ist.
Und da wir nicht wußten, wie die Versorgungslage in den nächsten Tagen aussieht, wird jeder noch so kleine Stauraum genutzt, bevor wir uns auf den weiteren Weg in Richtung Osten begaben.
Wir wollten den kleinen Ort Buitepos an der Grenze zu Botswana gelegen, erreichen. Dabei ist Ort auch nicht der richtige Ausdruck. Buitepos lässt sich in Namibia mit dem Wort "Außenposten" übersetzen. Kurz nach Gobabis ging die Teerstraße in eine Schotterpiste über, die sich noch sehr gut, zum Teil auch mit höheren Geschwindigkeit fahren lies. Die Wellblechstruktur war nicht so ausgeprägt wie bei den meisten Saharapisten. Trotzdem eine Pistenart, die ich überhaupt nicht mag, da diese gleichermaßen Material,- wie nervenaufreibend ist.
Die oft gegebene Empfehlung, auf ein Tempo hochzubeschleunigen, daß die Räder des Autos nur noch von Gipfel zu Gipfel fliegen läßt, die Querrinnen also einebnet, funktioniert zwar recht gut, beim Abbremsen aber glaubt man, das Auto bricht gleich in tausend Stücke.
schwarzafrikanische-erfahrungen_03Nur gut, daß der Grenzort Buitepos schon nach 120 Kilometer Fahrt erreicht war.
Den Grenzübertritt nach Botswana konnten wir an diesem Tag sowieso vergessen, da dieser nur von 8:00 Uhr bis 16:00 Uhr geöffnet ist. Einen Steinwurf vom Grenz-übergang entfernt, befindet sich jedoch ein Campground, den wir nutzten. Angenehm überrascht waren wir von den sanitären Anlagen, da selbst ein Teppich nicht fehlte.
Störend empfanden wir nur die zahlreichen, etwa Daumengroßen Käfer, die zur Plage wurden. Nach dem Abendessen, was wieder aus gegrillten Steaks und Salaten bestand, mittlerweile war es schon dunkel, zog sich alles zum Schlafen zurück. Wie ein Stein muss ich geschlafen haben, als ich neun Stunden später erwachte.
Vor allem fühlte ich mich wohler. Obwohl schon langsam an die Temperaturen gewöhnt.
Nach dem reichhaltigen Frühstück- wobei auch Filterkaffee nicht fehlte- packten wir zusammen. Nutzten nochmals die dort befindliche Tankstelle und rollten auf den Grenzübergang zu.
Die Abfertigung ging recht flott über die Bühne, nur den Sinn der Gelddeklaration wollte,- oder konnte ich nicht ganz verstehen. Da dieser ohne Gegenschein für die Ausreise ziemlich sinnlos. Doch wir sind ja in Afrika. Nach einigen Kilometern Fahrt kamen wir an eine Abzweigung, die uns Richtung Hukuntsi, in die Kalahari führen soll. Als Gegenstück zur Sahara wird die Kalahari zwar oft angesehen, was aber nicht stimmt. Kaum eine Spur von Wüste erwartete uns, eher savannenhaft mit Buschwerk und Bäumen. Botswana ist ungefähr doppelt so groß wie Deutschland, hat aber nur 1,3 Millionen Einwohner. In der Mitte des Landes befindet sich die Kalahari, ein Trockengebiet mit riesigen Ausmaßen. Von ihrem Erscheinungsbild her keine klassische Wüste, wenn man mit dem Begriff "Wüste" nur Sand und Dünen verbindet. Im Süden findet man zwar Sanddünen, aber in der Regel sieht die aus Buschwerk und kleineren Bäumen bestehende Kalahari nicht sehr wüstenhaft aus.
Im Norden versiegt und verdunstet das vom Okavango heran geführte Wasser im riesigen Sumpfgebiet des Okavango-Deltas.
Uns erwartete zunächst einmal eine sandige Piste mit tiefen Furchen, die wie Schienen führen. schwarzafrikanische-erfahrungen_27Entgegen unserer Absicht, immer Richtung Süden zu fahren, verpaßten wir eine Abzweigung und bewegten uns Richtung Osten. Woran lag das ? Trotz Satellitennavi-gation fuhren wir nicht wie geplant. Kilometerweit ging es nun an eingezäuntem Weideland entlang. Die Autos kamen nur noch in der Untersetzung voran, was natürlich den Benzinverbrauch in un-geahnte Höhen trieb. Auch die Wassertemperatur der Autos bewegte sich im roten Bereich, zumal die Außentemperatur im Schatten die 40° Celsius Marke schon überschritt. Das Ende der Piste, die eigentlich keine war - war erreicht. Auch vereinzelte Hütten signalisierten dies.
Also ging es wieder zurück, dazu drängte die Zeit, einen geeigneten Lagerplatz zu finden. Zwischen 18:00 Uhr und 18:30 Uhr setzt die Dunkelheit ohne großen Übergang ein.

Also galt es, frühzeitig ein Lager aufzuschlagen. Wobei der Reiz eines Busch Camps immer ein Erlebnis der besonderen Art darstellte.
Ein Erlebnis, dem sich keiner entziehen konnte, da es Erlebnisse für`s Leben sind. Schließlich fanden wir einen geeignet erscheinenden Lagerplatz, wobei man den Platz nach Kriechtieren und Ähnlichem Getier absuchen sollte. Und siehe da: um einen Baumstamm lag ein braunes Etwas ! Der erste Gedanke war der an eine Schlange. Späterhin stellte es sich als ein Tausendfüßler heraus. Trotzdem fühlten wir uns sicher. Und schläft man in einem geschlossenen Zelt, so kann man sich auch vor wilden Tieren sicher fühlen. Löwen, Hyänen usw. nähern sich zwar Zelten, greifen diese aber nicht an, da Zelte für sie etwas Naturfremdes darstellen. Und wohl auch nicht in ihr Beuteschema passen.
Als wir mit dem Essen beginnen wollten, stand plötzlich eine Gruppe von sieben Afrikanern an unserem Lager. Wir bekamen zwar keinen Schreck, fragte mich nur immer wieder, wo kommen in dieser Wildnis plötzlich Menschen her? Mit viel Gestik deuten sie an, daß sie Hunger und Durst haben. Was soll's, als nicht verwöhnte Afrikaner nahmen sie dankbar trockenes Brot und Becher mit Wasser entgegen. Fr einige von uns verwöhnten Europäern eine gänzlich neue Erfahrung, daß man auch mit trockenem Brot noch eine Freude machen kann.
Aus Solidarität fiel dann auch unser Abendessen karg aus.
schwarzafrikanische-erfahrungen_04Scheinbar satt, waren die Afrikaner urplötzlich verschwunden.
Kurze Zeit später tauchten zwei Frauen auf, deuteten auf ihre entzündeten Augen und baten um Hilfe. Augentropfen halfen, und mit Keksen zogen auch sie von dannen und verschwanden- so plötzlich wie sie gekommen waren- im dichten Unterholz.
Erfahrungen, die uns übersättigte Europäer doch zum Nachdenken anregten, als wir schlafen gingen.
Nach einer für mich etwas unruhigen Nacht, ich weiß nicht, woran es lag, war morgens um 6:00 Uhr die Nacht zu Ende. Überhaupt kamen wir relativ früh in die Spur, da es galt, zweihundert Kilometer bis nach Ghanzi zu meistern. Wir hatten beschlossen, nicht über Hukuntsi zu fahren, sondern einfach in östliche Richtung.

Zum Einen waren wir schon in Zeitverzug und zum anderen war die Benzinversorgung in Hukuntsi sowieso fraglich. Die Autos entpuppten sich in schwerem Gelände als regelrechte "Sprit-Säufer". schwarzafrikanische-erfahrungen_05Bis zu 25 Liter auf Hundert Kilometer liefen dann durch die Vergaser und das bei Geschwindigkeiten um die 40 km/h. Im laufe der Fahrt sahen wir einige Tierarten, die sich der Kalahari angepaßt haben. Wobei es sich überwiegend um Gems,- und Springböcke handelte.
Entgegen unseren Erwartungen erreichten wir schon am frühen Nachmittag den Ort Ghanzi. Der Name Ghanzi leitete sich ursprünglich von der Buschmann-Bezeichnung für ein einseitiges Instrument ab. Ursprünglich war die Region von Buschmännern besiedelt. Das muß aber schon lange vor unserer Zeit gewesen sein. Heute ist Ghanzi ein Verwaltungszentrum mit einer Bank, Tankstelle und einem Hotel. Dem Kalahari Arms Hotel.
Und das ist unser Ziel, zumal dem Hotel ein Campground angeschlossen ist und noch wichtiger: Ein Swimming Pool. Der Pool wurde auch gleich von unserer Weiblichkeit in Beschlag genommen, während wir das Lager aufbauten, so daß Brummer später wieder seinen Kochkünsten frönen konnte. Wobei eine Flasche Whisky das spätere Mahl abrundete. Sehr zum Leidwesen Irmtraud's, die am anderen Morgen schwörte, nie wieder Whisky trinken zu wollen.
Wir ließen uns Zeit mit dem Aufbruch, frühstückten in Ruhe und Irmtraud gelang es sogar, Traveller Cheques in Pula umzu-tauschen. Pula bedeutet übrigens "Regen", was für uns aber keinen "Geld-regen" bedeutete, denn für afrikanische Verhältnisse lässt sich Botswana nicht unbedingt den billigen Reiseländern zuordnen, wie sich noch herausstellen sollte.
Wir begaben uns erst einmal auf den Weg nach Maun. Einer Fahrtstrecke von etwa 300 Kilometern. Die Piste nach Maun ist zwar rauh, aber halbwegs problemlos zu befahren.
Nach den Buschpisten der letzten Tage waren die Ansprüche auf die Fahrbahnbeschaffenheit sowieso nicht sehr hoch.
Tropischer wird dann die Vegetation nördlich des Veterinary Fence, eines Gatters, das vor Viehseuchen schützen soll. schwarzafrikanische-erfahrungen_06Bis vor einiger Zeit wurde auch noch das Auto desinfiziert.
Mittlerweile begnügt sich der Wächter damit, die Daten von Fahrzeug und Passagieren in eine Kladde einzu-tragen.
Allmählich näherten wir uns dem Oka-vango Delta und der District Hauptstadt Maun, wo uns das Crocodile Camp be-onders verlockend erschien und wir unser Camp aufschlagen wollten. In Maun hatten wir wieder Asphalt Straße unter den Rädern, da eine kurze geteerte Straße Maun durchquert. Ein echtes Centrum erkannte man zwar nicht, dafür aber unverfälschtes Afrika. Maun ist eine Art Streusiedlung und liegt am Ostrand des Okavango-Deltas.
Ebenfalls ist Maun ein Ort, in dem man sich gut versorgen kann. Das Okavango-Delta selbst hat etwa die Größe von Schleswig-Holstein und dürfte wohl einzigartig auf der Welt sein. schwarzafrikanische-erfahrungen_07Es ist eines der größten Feuchtgebiete der Welt mit einer faszinierenden Tier- und Pflanzenwelt.
Der Okavango Fluß entspringt im Hochland Angolas und fließt dann Richtung Süden nach  Botswana. Ein Meer erreicht der Okavango Fluß jedoch nie. Die Wassermassen versiegen und verdunsten in dem riesigen Sumpfgebiet des Deltas.
Zunächst galt es jedoch in Maun unsere Lebensmittelkiste wieder aufzufüllen.
Gegrillte Springbocksteaks mit Bratkartoffeln sollen auch nicht zu verachten sein und standen für abends auf dem Speiseplan.

Jetzt mussten wir nur noch das Crocodile Camp finden, wo wir die Nächsten drei Tage unser Camp errichten wollten. schwarzafrikanische-erfahrungen_08Einfach mal Relaxen, die Umgebung genießen und Wäsche müsste auch mal gewaschen werden.
Nach kurzer Suche war das Camp gefunden. Idyllisch an dem Fluß Thamalakane gelegen, bot es uns einen hervorragenden Campground. Wie in einem kleinen Paradies kamen wir uns vor, als wir später an dem kleinen Swimming Pool saßen.

In der Nacht regnete und gewitterte es zwar, was unserer Laune jedoch keinen Abbruch tat. Auch nicht, als der Tag verging und Johnnie Walker kam, dem ich mit Brummer zusprach. Er kam für mich zum letzten Mal, als ich andern tags etwas verkatert aufwachte. Aber als die Sonne wieder schien, die ersten Runden im Pool gedreht waren und ein Frühstück das übrige tat, war wieder alles vergessen.
Gegen Abend beschlossen wir, zu dem kleinen Flughafen nach Maun zu fahren, um uns nach den Möglichkeiten eines Rundfluges über das Okavango-Delta zu erkundigen. Wenigstens ein kleines Bild wollten wir uns von den Ausmaßen des Deltas verschaffen. Und das geht am besten mit einem kleinen Flugzeug. Für den kommenden Tag gelang es uns, eine Cessna zu chartern.
Aus Platzgründen- die Maschine bot nur Platz für fünf Passagiere,- teilten wir uns auf. Conny und Kurt flogen in der Frühe, der Rest unserer Truppe sollte am Späten Nachmittag fliegen. Warum ?  Zu diesen Zeiten lassen sich Konturen aus Licht und Schatten besser ausmachen. Dazu ist die Tiervielfalt nicht so versteckt. In den Stunden der Mittagshitze suchen wohl auch die Tiere den Schatten.
Irmtraud wurde immer unruhiger, als die Zeit des Startes nahte; war es doch ihr erster Flug in einer Sportmaschine.

schwarzafrikanische-erfahrungen_10Das Okavango Delta ist mit einer Fläche von über 15.000 Quadratkilometern das größte Binnendelta der Welt.
Die Einzigartigkeit-  auch  die der
Tierwelt, wirkte sehr beeindruckend auf uns.
Ihre Angst war aber völlig unbegründet, als der Pilot startete und hinter Maun in den Konturenflug überging.
Teilweise gondelte er in fünfzig Meter Höhe über das Delta. Im Schatten der Bäume faulenzten Giraffen und Elefanten. In Tümpeln suhlten sich Flußpferde und ein fettes Krokodil wartete wohl auf Beute. Nach einer Stunde war das Schauspiel vorüber und das Erlebnis Okavango-Delta saß noch sehr tief, als wir andern tags zur Weiterfahrt aufbrachen.

schwarzafrikanische-erfahrungen_11schwarzafrikanische-erfahrungen_12
Unser nächstes Ziel sollte der Moremi Park sein. Ein 1.800 qkm großes Wildschutzgebiet, welches in den sechziger Jahren gegründet wurde. Echte Wildnis mit einer artenreichen Tierwelt erwartete uns, als wir uns von Maun verabschiedeten, nicht ohne nochmals die Tanks und Kanister randvoll gefüllt zu haben. Dann ging es über schmale Pisten durch Gras und Savannen Landschaft. schwarzafrikanische-erfahrungen_14Teilweise gesäumt durch lichte Wälder.
In der Regenzeit zwischen Dezember und April sollen zwar einige Abschnitte nicht passierbar sein, unsere Allrad-fahrzeuge schlugen sich jedoch tapfer durch einige Schlamm- löcher. Ebenfalls kann man im Moremi die Autos verlassen. Bedauerlich fanden wir es nur, daß wir so wenig Zeit für das naturbelassene Stück Afrika mitbrachten.
Man sollte sich einfach mehr Zeit lassen, und so bauten wir unser Lager wieder auf. Unser Camp entsprach aber mehr einem Picknick Platz, vermittelte uns aber das Gefühl, nun in absoluter Wildnis zu sein. Zumal auch ständig irgend- welche Tiergeräusche aus unserer unmittelbaren Nachbarschaft zu hören waren.
Waren fasziniert von der Tier und Pflanzenwelt, die hier- wo sich Trocken- und Feuchtbiotop verbinden- extrem Artenreich ist.
Wir begaben uns auf den Weg in Richtung Savuti-Marsch. Während vorher nur einige auf der Piste liegende Bäume und Elefantenspuren die Anwesenheit von Großtieren verrieten, sollten nun unsere Erwartungen erfüllt werden.
Überall stießen wir auf Wildtiere: Zebras, Gnus, Giraffen und einzelne Elefanten kreuzten die Piste. Nicht ohne Respekt vor den grauen Riesen hielten wir Distanz. Und immer wieder Impallas, die in großer Anzahl direkt am Pistenrand stehen, als wir in oftmals nur einem Meter Abstand vorüber fuhren.
Wir stießen auf Löwen, die keine zehn Meter von den Autos entfernt im hohen Gras lagen. Ziemlich gelangweilt, so daß sie von uns keinerlei Notiz nahmen: Hatari lässt grüßen !
Nach einem weiteren Fahrtag erreichen wir die Savuti-Marsch und wurden zu unserer eigenen Sicherheit auch registriert. Die Savuti Marsch ist eine von Bäumen und Büschen durchzogene etwa 2.400 qkm große Ebene. Hier endet der Lauf des Savuti Flusses, der allerdings nur selten Wasser führt. In der Nacht war es dann schon ein komisches Gefühl, als Hyänen um die Autos huschten. Immer auf der Suche nach etwas Eßbarem. Unser Equipment war jedoch sicher in den Autos verstaut.
Früh im Morgengrauen hieß es dann aufstehen. Ein kleiner Imbiß im Stehen, dann ging es wieder weiter mit dem Ziel: Victoria- Falls. Wir wollten die Victoria- Fälle am Abend erreicht haben. Mußten jedoch noch durch den Chobe und keiner wußte genau, ob es zu schaffen ist. Zumal auch noch zwei Landesgrenzen überschritten werden mußten.
Der Chobe Park wurde ich den sechziger Jahren zum National Park erklärt und benannt nach dem nördlichen Grenzfluß, dem Chobe. Ein Gebiet, welches ganzjährig befahrbar ist. schwarzafrikanische-erfahrungen_15Ein Allrad Fahrzeug ist jedoch vorgeschrieben.
Vor Erreichen des Chobe mußten wir bei den Park Rangern jedoch erst einmal umgerechnet pro Fahrzeug 240.-DM zahlen, erst dann wurde uns die Durchfahrt gestattet. Im Moremi war übrigens der gleiche Betrag fällig.
Schwarzafrika scheint seinen Tierreichtum wohl auch nicht mehr zum Nulltarif herzugeben.  Be-denkt man aber, daß künstliche Attraktionen wie Disneyland kaum weniger kosten, ist uns die Ursprünglichkeit den Preis wert.
Die Chobe Piste hatte es teilweise in sich. Stellenweise sehr sandig, so daß man sich wie auf einem Schiff fühlte, so torkelnden unsere Autos dahin.
Gegen Mittag ist dann der erste Grenzort, Ngoma Bridge erreicht. Danach folgte wieder mein "geliebtes Wellblech". Dieses mal in geschotterter Form und es reichte bis zur Grenze nach Simbabwe. Dem Grenzübergang Kasane. In Kasane erledigten wir die Einreiseformalitäten für Simbabwe. Entsprechende Kurzzeit Versicherungen für die Autos besorgte ich zum Glück schon bei der Übernahme der Fahrzeuge in Windhoek, so daß uns diese Prozedur erspart blieb.
Erspart  blieb uns nur nicht die Deklaration beim Zoll. Natürlich wieder ohne Durchschrift und daher völlig ohne Wert! Aber in Afrika muß das wohl so sein. schwarzafrikanische-erfahrungen_16Rund 65 Kilometer trennten uns noch von den Victoria-Fällen, dazu wurde die Hitze immer unerträglicher, als wir am Späten Nachmittag das Ortsschild von Victoria Falls erreichten; einem der Höhepunkte unserer Reise.
Dann begann die große Unstimmigkeit, und es war die einzige Unstimmigkeit während der gesamten Reise. Außer Irmtraud und meiner Person wollten plötzlich alle in ein Hotel. Die Zimmerpreise sind auch für europäische Verhältnisse in Victoria-Falls exorbitant hoch und müssen dazu in US Dollar entrichtet werden. Die Preise sollten zwar keinen Hinderungsgrund darstellen, jedoch war ich schon so an unser Dachzelt gewöhnt, daß ich auf ein Zimmer im Hotel leichten Herzens verzichten konnte. Späterhin erledigte sich das Problem aber von selbst. Alle in Frage kommenden Hotels, in und um Victoria-Falls waren ausgebucht.
schwarzafrikanische-erfahrungen_17So landeten wir letztlich auf dem Stadt Camp von Victoria-Falls. Und dies war auch keine schlechte Wahl.
Die ganze Struktur von Victoria-Falls ist sowieso nur auf Tourismus ausgelegt, so daß man unverfälschtes Afrika hier nicht findet. Ursache für die Popularität von Victoria-Falls, sind die in der Nachbarschaft liegen-den, gleichnamigen Victoria Wasserfälle.
Nach der Unabhängigkeit Sambias 1964 entwickelte sich Victoria-Falls zu einer eigenständigen Gemeinde mit etwa 5.000 Einwohnern. Ebenfalls führt eine 200 Meter lange Brücke in einer Höhe von 110 Metern über den Sambezi und stellt somit die Verbindung zu Sambia her. Die Brücke wurde in England in Fertigteilen produziert und 1905 in Victoria-Falls zusammengebaut. Über diese Brücke kann man heute mit dem Auto nach Sambia einreisen, was aber nicht unser Ziel war.
Vom Ort Victoria-Falls kann man aber bequem den Eingang zu den Victoria Wasserfällen erreichen. Auf einer Fläche von 56.000 Hektar wurde um die Wasserfälle ein National Park eingerichtet. Am Eingang informiert eine kleine Ausstellung über die Geschichte und Geologie der Fälle. Und dort begannen wir unseren Rundgang. Ebenfalls befindet sich dort das Denkmal des berühmten Afrika Forschers David Livingstone. Livingstone sah die Fälle als erster Weißer im Jahre 1854.
Die Schwarzen bezeichnen sie als "Mosi oa Tunya", was soviel wie "Rauch mit Donner" heißen soll.
schwarzafrikanische-erfahrungen_28Auf einer Breite von 1.700 Metern stürzt der von Norden kommende Sambezi in eine etwa 110 Meter tiefe Schlucht, die in einem rechten Winkel den Lauf des Sambezi kreuzt. Von hier aus nimmt der Sambezi seinen östlichen Verlauf und bildet die Grenze zwischen Sambia und Simbabwe um letztlich durch Mocambique in den Indischen Ozean zu fließen. Mit einer Gesamtlänge von 2.700 Kilometern ist er damit Afrikas viertlängster Fluß. Es rauschte und donnerte, Wasserdampf stieg bis zu 500 Metern empor, als wir auf den Wanderwegen, die sich rund um die Fälle befinden, entlang liefen. Unentwegt tropfte und nässte es. Tatsächlich sind die Fälle sensationell. Beeindruckt standen wir an verschiedenen Aussichts-punkten beobachteten den immer-währenden Regenbogen, der sich über die Schlucht spannt und ließen uns von der Gischt durchnässen.
Passierten üppige tropische Vegetation, für die ständige Gischt sorgt.
schwarzafrikanische-erfahrungen_29Tage könnte man hier verbringen. Für uns bedeutete es aber auch etwas Erholung, die wir mit Faulenzen und Karten schreiben verbrachten. Die Mahlzeiten nahmen wir in Hotels ein und waren überrascht von der Küche und der Auswahl der Speisen. Ich lies mir Krokodilschwänze schmecken und ein Barbecue im legendären Victoria Falls Hotel durfte auch nicht fehlen. Die Atmosphäre in und um Victoria-Falls ist schon einzigartig. Und zur Freude der Einheimischen und um deren Einkommen aufzubessern, ließ Martin noch seine gesamte Wäsche für umgerechnet 5.- DM waschen.
Am Tag vor der Abreise stand noch ein Ereignis bevor: Martin wird 30 Jahre alt. Happy Birthay, als Brummer am Tag der Abreise ein vorzügliches Frühstück zubereitete und unsere Truppe Martin mit allen guten Wünschen versehen hatte, bevor wir die Vorbereitungen für die Weiterreise trafen. Letzte Einkäufe wurden getätigt. Einige Kilos Rinderfilet wanderten in die Kühlbox bevor wir wieder auf den Grenzort Kasane zusteuerten.
Wir mußten im Transit durch Botswana um auf namibischen Boden zu kommen. Die letzten Grenzformalitäten, dann standen wir wieder in Botswana. Machten halt, als wir einen Market Markt entdeckten.
Kauften Paletten mit Getränken, dann das Erwachen: Der Markt war nur für Kunden mit entsprechender Lizenz. Kein Problem, als ich die Visitenkarte eines Offenbacher Autohauses vorlegte. Diese Visitenkarte diente uns nun als Lizenz. In Afrika ist eben alles möglich. Hauptsache es sieht alles amtlich aus.
In Ngoma Bridge war der letzte Grenzübertritt und unser Ausgangsland Namibia hatte uns wieder. Siebzig Kilometer trennten uns noch von unserem angepeilten Etappenziel: Katima Mulilo. Entgegen aller negativen Aussagen über das dort befindliche Camp, waren wir um so mehr überrascht, als wir auf dem Campground, der sogenannten Hippo-Lodge eintrafen. In einer Traumkulisse und direkt am Sambezi gelegen errichteten wir unser Camp. Keine 20 Meter von uns floß träge der Sambezi. Ließen die Umgebung auf uns einwirken und fühlten uns wie im Paradies.
schwarzafrikanische-erfahrungen_18Welch ein Glück, für die meisten der Pauschaltouristen rund um den Globus sind solche Flecken unerreichbar, und das ist auch gut so. So haben wir "Paradiese" dieser Art für uns allein.
In einer solchen Umgebung zu sitzen und die Sonne untergehen zu sehen, gehörte auch mit zu den unver-geßlichen Höhepunkten der Reise. Unvergessen auch Martins Geburtstag, den wir in dieser Umgebung mit Sekt und Filetsteaks gebührend feierten. Die Menuefolge war mal wieder eine kuli-narische Meisterleistung von Brummer. Mit ein wenig Wehmut nahmen wir nach einem üppigen Frühstück Abschied vom Sambezi, um uns der nächsten Etappe zuzuwenden. Durch den Caprivi Zipfel zu den Popa Fällen.
Der Caprivi Zipfel ist ein topographisches Unikum auf der Landkarte des südlichen Afrikas. Etwa 450 Kilometer lang und bis zu 50 Kilometer breit ist dieser Zipfel. Dazu reicht der Caprivi Zipfel in etwa von Katima-Mulilo bis zu den Popa Fällen. Benannt wurde der Zipfel nach dem Nachfolger des Eisernen Kanzlers Bismarck: Leo von Caprivi.
schwarzafrikanische-erfahrungen_19Auf dessen betreiben hin wurde dieser schmale, weit ins Zentrum des südlichen Afrikas hinein ragender Landkorridor 1890 der deutschen Kolonie einverleibt. Es ging um den freien Zugang zum Sambezi. Und tatsächlich liegt Katima-Mulilo,- der Hauptort von Caprivi- in der Mitte zwischen Atlantik und dem Indischen Ozean.
Uns erwartete zunächst der für Afrika typische und klassische Busch mit einer teilweise üppigen Tropenlandschaft, der sich auf einer Naturstraße gut durchfahren lies.
Leider fehlte uns- wie so oft- die Zeit für Abstecher in das relativ schmale Gebiet.
Tropische Schönheit und Feuchtigkeit haben aber auch ihren Preis: Es herrschte dort akute Malariagefahr.
Wir erreichten die Popa- Fälle, die uns jetzt als Zwischenstop nach der Durchquerung des Caprivi Zipfels dienten. Bei den Popa Fällen handelt es sich mehr um Stromschnellen des Okavango Flusses, wobei der Okavango über felsigen Untergrund etwa 2.5 Meter tief stürzt. Nichts atembe-raubendes, jedoch idealer Zwischenstop auf dem Weg zu dem abschließenden Höhepunkt unserer Reise: dem Kaokoland. Im äußersten Nordwesten von Namibia gelegen. Hier leben sie noch wie in der Steinzeit: die Viehhirten der Himbas. Das Wort "Himba" bedeutet in der Übersetzung "Bettler". Wegen  der roten Farbe hat sich aber der Begriff von den "roten Hirten" oder eben den "roten Afrikanern" entwickelt.
Das Volk der Himbas gehört zu den letzten originären Nomaden Afrikas, die ihre Bräuche und Lebensarten seit Jahrhunderten beibehalten haben. Wenn sie nur nicht so bestialisch stinken würden! Die Frauen reiben ihren Körper mit ranziger Butter ein, die mit rotem Pulver aus eisenhaltigem Gestein und Kräutern gemischt werden.
Dies schützt vor der intensiven Sonne und Insekten. Die Männer benutzen übrigens schwarz gefärbtes Fett. schwarzafrikanische-erfahrungen_20Um ihre Heiratsfähigkeit anzuzeigen, tragen die Mädchen ab dem 16. Lebensjahr ein kurzes, verziertes Fell auf dem Kopf. Eine große weiße kegelförmige Muschel, die zwischen den bloßen Brüsten getragen wird, dient als Schmuck.

Dagegen haben allerlei Fellriemen um den Bauch, locker von den Hüften fallende Lederhäute wohl eine rituelle Bedeutung. Einfache Fellriemen zeigen an, daß die Frau noch keine Kinder hat.
Dazu werden die oberen zwei Schneidezähne heraus gefeilt. Die unteren vier Schneide-zähne fehlen ganz. Mit einem Holzstück, gegen das ein Hammer ge-schlagen wird, werden die Zähne ohne Narkose herausgeschlagen.
In die künstliche Zahnlücke wird eine quer gestellte Pfenniggroße Messingscheibe geschob-en, mit dem sie einen schrillen Pfiff erzeugen Können, der ihre Herden veranlaßt zusammen zulaufen.
schwarzafrikanische-erfahrungen_21Gehalten werden Rinder, Ziegen, Schafe und Maultiere.
Durch die Unzugänglich-keit des Kaokolandes,- oder auch Kaokoveld genannt, blieben die Himbas bisher vom Tourismus weitgehend verschont. Zum Glück auch.
Wir aber rumpelten weiter in Richtung Kaokoveld. Schafften in einer Fahrzeit von drei Stunden gerade mal 30 Kilometer, ehe wir am Kunene-Fluß unser Lager aufschlugen.
Als wir andern tags weiterfuhren, erschien mir die Hitze noch unerträglicher geworden zu sein. Das Kaokoveld- größer als die Schweiz- scheint auch bis auf einige uns über den Weg gelaufene Himbas menschenleer zu sein. Nehmen uns Himbas wahr, deutet ihre Gestik immer das gleiche: Tabak und etwas Eßbares. Und da wir gut gerüstet waren, einiges an Vorräten hatten, verteilten wir Tabak und Kekse.
schwarzafrikanische-erfahrungen_22Die Himba Männer scheinen wohl leidenschaftliche Raucher zu sein. Ein Himba- Mann inhalierte den Rauch Tabakrauch so intensiv und lange, daß ich schon dachte, ihn muß doch jeden Moment die Ohnmacht überkommen. Selbst der Filter mußte noch daran glauben.
Unsere Fahrt wurde langsam strapaziös. Durch die geöffneten Fenster des Autos strömte die heiße Luft mittlerweile wie ein Fön. Kaum ein Lebewesen war zu erblicken und doch faszinierte die herbe Landschaft. Wir hatten wahnsinnigen Durst und fehlendes Trinkwasser könnte hier schon zum Verhängnis werden. Ebenso ein Achsenbruch war auf der holprigen Strecke stets möglich- ein unbehaglicher Gedanke angesichts der noch vor uns liegenden Strecke in diesem Gebiet und fernab der Zivilisation.
Was sich dann unseren Augen bot, war wie eine Fata Morgana: Mit gewaltigem Getöse stürzt sich die Flut des Kunene-Flußes in nahezu 30 Wasserfällen in die Tiefe.
schwarzafrikanische-erfahrungen_23Verschwindet in der Schlucht und schäumt zu einer brodelnden Gischt auf, bis sich die Gischt wieder zu einem Strom sammelt. Von allen Seiten her rauscht und brodelt es. der Blick auf die Epupa Wasser-fälle war über-wältigend und der abendliche Sonnen-untergang versöhnte mal wieder mit den Strapazen der hinter uns liegenden Fahrt. Zwei Tage wollten wir hier bleiben. Am liebsten wären wir jedoch länger ge-blieben.
Wir nutzten die Zeit zum Baden in schalenförmig ausgewaschenen Felsen. Krokodile lagen keine in Wartestellung, dafür war das Wasser zu quirlig.
Kleinere Wartungsarbeiten an den Autos wurden durchgeführt, und wir erfreuten uns an der grandiosen Landschaft. Dazu gab es das vermeintlich schönste, was sich ein Europäer bei über 40 Grad Celsius vorstellen kann: gekühltes Bier.
Nur langsam kamen wir auf Touren, die letzten Eindrücke mußten erst noch verarbeitet werden und der Abschied fiel schwer.
Aber bereits nach den ersten Metern überdeckte die Landschaft aufkommende Sentimentalitäten.
Die Piste führte nun wieder über steiniges Gelände und sollte uns in's Hartmannstal über den berüchtigten Van Zyl's Paß führen.
Für diesen Paß sollte man schon ausgeschlafen sein, da angeblich eine Totalherausforderung für jeden Geländewagen-Fahrer bevorsteht. Um über den Van Zyl's Paß in das Hartmannstal zu kommen, mußten wir über Otjitanta, eine Siedlung, die mehr aus Kraalen besteht, die weit auseinander stehen. Die Hütten werden auch nur aus Putz, der aus einer Mischung Rindermist und Lehm besteht, zusammengehalten.
Wir suchten den Einstieg zum Van Zyl's Paß, versuchten zu fragen und jeder Angesprochene deutete in eine andere Richtung. Keiner wies klar in eine bestimmte Richtung. So versuchten wir auf eigene Faust und nach Karte zu fahren. Rumpelten über Fragmente einer Piste mit teilweise Kindskopf großen Steinen. Trafen dabei auf einige Himbas und standen plötzlich vor einigen Hütten, die auch das Ende der Piste signalisierte. Ende der Fahnenstange!
Einige männliche Bewohner kamen atemlos mit der üblichen Gestik angelaufen: Tabak und Geschenke sind gefragt. Unverständlich nur, auf unserer Karte war eine Piste eingezeichnet  und plötzlich nur noch undurchdringlicher Busch! Was nun ? Zum  Einen waren wir über eine größere Strecke falsch gefahren, zum  Anderen mußten wir wieder zu unserem Ausgangspunkt Otjitanta zurück.
schwarzafrikanische-erfahrungen_24Wir begannen zu rechnen, wie weit unser Kraftstoff-vorrat noch reicht, vorausgesetzt, wir finden den richtigen Einstieg zum Van Zyl's Paß. Und ohne Van Zyl's Paß keinen Einstieg in das Hartmannstal.  
Zu ungewiß ist die Frage ob der Kraftstoff noch reicht.                       Wir sagten dem Van Zyl`s Paß ade
Wir sagten dem Van Zyl's Paß, Hartmanns- und Mariental ade und begaben uns in die leicht zu findende Spur nach Opuwo. Das Hartmannstal sollte mit ein Höhepunkt der Tour sein, sieht man doch dort mit etwas Glück einen der seltenen Wüstenelefanten. Es sollte wohl nicht sein und unser Risiko sollte kalkulierbar bleiben.
In der Menschenleeren Weite ohne Sprit dazustehen sollte nicht unser Ding sein.
So kamen wir nach Opuwo, schon fast ein Vorbote der Zivilisation mit Tankstelle, die eine magische Anziehungskraft auf uns ausübte. Die gut befahrbare Sandpiste nach Opuwo vermittelte uns nochmals eindrucksvolle Einsichten in das Kaokoland: Sand, Steine, Dürre und am Horizont stets rosafarbene Gebirgszüge.
Wir fuhren weiter in Richtung Sesfontein, eine Strecke von herber Schönheit. Die Piste führte über Hügel, und es war ein ständiges auf und ab. Fast vergleichbar mit einer Achterbahn. Rechts und links bizarr geformte Felsen, daneben Tafelberge und in der Ferne wieder vielfarbige Gebirgszüge. Dann war Sesfontein erreicht.
Ab hier trafen wir auch wieder auf gepflegte Namibia-Verbindungs-Pisten. In Sesfontein besuchten wir ein ehemaliges Deutsches Fort aus der Kolonialzeit. Stattetem dem angrenzendem Friedhof, wo noch gefallene Soldaten der ehemaligen deutschen Schutztruppen ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, einen Besuch ab. Anschließend ging es zu den Warmen-Quellen, die einige Kilometer außerhalb Sesfonteins liegen. Welch eine Wohltat nach den vergangenen Tagen.
Seit den Epupa-Fällen am Kunene bestand die Toilette mehr oder weniger aus Katzenwäsche. Um so wohler fühlten wir uns, als wir in einem kleinen aufgestauten Wasserbecken an den Quellen schwammen.
Anderntags erreichten wir Palmwag mit der gleichnamigen Lodge, nicht noch ohne uns auf dem Weg dorthin einen Plattfuß einzufangen.
schwarzafrikanische-erfahrungen_25Und wieder sind wir der Zivilisation ein Stück näher gekommen. Nur noch eine stramme Etappe von ein oder zwei Tagen trennten uns von Windhoek. Zunächst wollten wir jedoch die Annehmlichkeiten der Palmwag-Lodge genießen. Die Luxus Lodge inmitten einer Palmenoase deutete unschwer auf die Herkunft seines Besitzers hin. Auf dem größten Tisch im Restaurant stand ein Schild mit der Aufschrift: "STAMMTISCH"!
Fast wie in Deutschland, und wir beschlossen, am Abend ein üppiges Abendessen einzunehmen.
Leider hatten wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Arrogant bekamen wir mitgeteilt: Erst kommen die Hausgäste, sollte etwas übrig bleiben, bekommen auch wir etwas zu Essen. Natürlich bekamen wir nichts zum Essen.

Und auch das versprochene Frühstück andern tags entpuppte sich als falsche und leere Versprechung.
Als Nichtmieter einer seiner Hütten ist man tatsächlich dem Wohlwollen des Besitzers ausgeliefert. Zum Glück war diese Begebenheit die einzig negative im Verlauf unserer Reise und im Umgang mit Ortsansässigen. So mußte es eben ohne Frühstück gehen, als wir uns auf den Weg nach Korixas begaben. Vorbei an dem versteinerten Wald, wo bis zu 30 Meter lange Baumriesen lagen. Vermutlich Reste eines 300 Millionen Jahre alten Waldes aus dem Erdaltertum. Zumindest bekamen wir in dem dort befindlichen Camp Kaffee und Tee. Dies versöhnte uns wieder nach der arroganten Palmwag Lodge und dessen Besitzer, so daß wir gestärkt die Weiterreise antreten konnten.
Diese Reise in den Norden Namibias bescherte uns- bis auf eine Ausnahme,- nämlich die Palmwag Lodge, überwiegend außergewöhnliche Erlebnisse: Erstens, die Begegnung mit Menschen, die bis heute fernab von aller Zivilisation ihren seit Jahrhunderten gleichen Tätigkeiten nachgehen. Zweitens, ein ganz anderes Namibia. Im Caprivi Zipfel gibt es keinen Wassermangel. Hier wächst Regenwald. Und im äußersten Osten fließt zwischen üppigen Grünen Ufern träge der Sambezi.
In Windhoek angekommen, führt uns der Weg wieder zu unserem Ausgangspunkt, dem Dan Viljoen Game Park. Dort hieß es dann, die angemieteten und auch unsere eigenen Ausrüstungs-Gegenstände wieder in einen ordentlichen Zustand zu bringen.
Die Verbleibende Zeit bis zu den Abflügen nutzten wir für Einkäufe und Besichtigungs-Touren in und um Windhoek.
schwarzafrikanische-erfahrungen_26Wir folgten deutschen Spuren der 130.000 Einwohner zählenden Hauptstadt Namibias: Das Deutsche Fort, die Deutsche Kirche und so weiter. Alles kolonial, renoviert, propper und immer zu besichtigen.

Dann hatte uns Europa wieder. Und wie nicht anders zu erwarten: es regnet bei unserer Ankunft in Frankfurt. Mit etwas Wehmut blickten wir auf die vergangenen Wochen zurück.
Aber wir kommen ja wieder, und der Van Zyl's Paß mit anschließendem Hartmannstal, der Marienfluß und die Skelettküste erwarten uns ja noch.

Aktualisiert ( Mittwoch, den 18. November 2009 um 07:54 Uhr )  

Design by i-cons.ch