AUSTRALIEN- durch den roten Kontinent
Die Idee meinen Urlaub in Australien zu verbringen, stammt nicht von mir. 1996 hatte ich nach einem Afrika-Urlaub eine Malaria-Tropica, wollte ein Jahr aussetzen und nicht in ein Malaria gefährdetes Land fahren. Der Traum meines Mannes war seit langen Jahren Brasilien. Einmal mit dem Schiff den Amazonas aufwärts. So entschlossen wir uns, den ersten großen Urlaub getrennt zu verleben und Wolfgang begann mit seinen Reisevorbereitungen. In Afrika hatten wir im Frühjahr die Bekanntschaft von Caroline und Ben aus Australien gemacht. Die beiden waren auf einem Trip rund um die Welt. Caroline und Ben sind beide Ärzte und Ende 20. Ben wollte sechs Wochen in der Hauptstadt Sambias, in Lusaka, im Militärkrankenhaus arbeiten. Im September standen die beiden in Frankfurt vor unserer Tür. Sie waren zurzeit in Europa und wollten von Deutschland über Frankreich nach England und vor dort mit dem Flugzug nach Südamerika. Nachdem Wolfgang erzählt hatte, dass er nach Brasilien fährt, stand für die beiden fest, dass ich nach Australien kommen musste. Von diesem Zeitpunkt war die Idee in meinem Kopf. Schnell stand für mich fest, wenn Australien, dann der Westen. Sydney wollte ich mir aber auch nicht entgehen lassen. Also mussten große Entfernungen mit dem Flugzeug überwunden werden. Die Reisezeit sollte im australischen Frühling sein. Bei der Ausarbeitung meiner Reiseroute muss ich allerdings feststellen, dass es sehr viele Reiseinformationen zum Osten von Australien gibt, aber nicht viel Information zum Westen. In Frankfurt habe ich ein kleines Reisebüro gefunden, das auf Australien und Neuseeland spezialisiert ist. Da meine genaue Reiseroute feststand, ist alles schnell gebucht. Neben dem Flug nach Australien, drei weitere Inlandsflüge und zwei Touren. Außerdem ein Buspass über 3000 KM. Am 01.10.1997 um 20.45 Uhr startete die Maschine Richtung Australien. Der Flug ist angenehm. Eine Zwischenlandung habe ich in Singapur. Um den Zwischenstopp von fünf Stunden zu verkürzen, melde ich mich für eine Museumsrundfahrt an. So gehen die Stunden schnell vorbei und ich kann in die Maschine nach Sydney steigen. Die Maschine ist ausgebucht. Total zerschlagen komme ich am Flughafen in Sydney an. In der Informationsecke liegen Prospekte und Informationsmaterial für Backpacker. Für 6 A$ lasse ich mich mit dem Shuttle Bus zu einer Unterkunft fahren. Das Haus liegt zwischen dem bekannten Stadtteil Kings Cross, bekannt für sein Nachtleben, und dem Heyd Park.
Mein erstes Frühstück in Australien: Kaffee, Toast, Butter und Marmelade für 3 A$. Ich laufe bis zur Oper. Sie ist überwältigend und die absolute Touristenattraktion. Das Gebäude fasziniert durch seine einzigartige Konstruktion aus jeder Perspektive. Die Oper ist mehr als ein einfaches Opernhaus. Sie wurde 1973 fertig gestellt. Zu den vier Konzertsälen kommen fünf Restaurants, sechs Bars, eine Bücherei, Archive usw. Der große Saal hat 2.690 Sitzplätze. Jeden Sonntag finden um die Oper herum kostenlose Vorstellungen statt, von der Highschoolband bis zum Jongleur. Ein beliebter Treffpunkt nicht nur für Touristen. Auf dem Rückweg gehe ich noch ins schönste Einkaufscenter von Sydney, dem Queen Victoria Building. Es ist nicht zu übersehen, dass im romanischen Stil erbaute Haus von 1898 nimmt einen ganzen Häuserblock ein. Nachdem das Gebäude fast verfallen war, wurde es 1986 nach umfangreicher und teurer Renovierung als Shopping Centre wieder eröffnet. Anschließend fahre ich auf den Tower um mir Sydney von oben anzusehen. Mit 305 Meter ist es das höchste Gebäude der Stadt und der beste Aussichtspunkt. Es gibt so vieles zu entdecken zwischen den vielen Hochhäusern. Eine kleine Kirche oder ein altes Haus im Victorianischen Stil. Durch den Heyd Park laufe ich zurück.
Heute fahre ich zum Zoo. Auf dem Weg dahin komme ich durch den Royal Botanic Garden, am Hotel Ritz -ein sehr schönes altes Gebäude- vorbei, zum Hafen. Der Taronga Zoo wird im Reiseführer als einer der schönsten in Australien genannt. Für die Überfahrt benutze ich das Schiff. Von hier aus hat man einen herrlichen Blick auf die Skyline mit der Oper. Vom Zoo selbst bin ich enttäuscht. Die Lage ist wunderschön, aber so kleine Gehege, dass ich es als eine Qual für die Tiere empfinde. Die Besucher sind natürlich begeistert, wo sieht man sonst Löwen, Elefanten (die der Frankfurter Zoo aus Platzmangel abgegeben hat), Zebras oder Giraffen in Australien. Drei Elefanten in einem kleinen Gehege, in einem gammeligen Zustand. Ein Elefant hat nur noch einen Stoßzahn und quer über den Kopf eine große verheilte Wunde. Die Löwen sind nicht besser dran. Na ja, vielleicht sieht man die Tiere mit anderen Augen, wenn man vorher durch Botswana und Simbabwe gereist ist und die afrikanische Tierwelt erlebt hat. Ich halte mich nur kurz im Zoo auf und fahre mit dem nächsten Schiff zurück. Der Stadtteil The Rocks liegt in der Nähe. Es ist der älteste Stadtteil von Sydney und liegt unterhalb der Harbour Bridge. Dieses historische Viertel ist Ursprung der australischen Besiedlung. Die Pest Epidemie von 1900 hat man dazu genutzt, den zum Slum heruntergekommenen Stadtteil teilweise abzubrennen und einzureißen. In den 70er Jahren besann man sich auf die historische Bedeutung dieses Viertels und bewahrte über 100 Gebäude vor dem Abriss. Zur 200-Jahr-Feier restaurierten die Stadtväter die Backsteingebäude originalgetreu. Die engen Gassen mit der Vielzahl von Läden, Pubs und Restaurants haben sich zur echten Touristenattraktion entwickelt. Da Wochenende ist, hat der Straßenmarkt geöffnet. Meine Arbeitskollegin hätte jetzt gesagt: „Hier tanzt der Bär“. Aus den Kneipen, Bars etc. dröhnt laute Musik, Händler verkauften Schund und Souvenirs. Eine tolle Atmosphäre. Mein letzter Tag in Sydney, schade. Morgen fliege ich nach Alice Springs. Dicke Wolken sind aufgezogen. Durch das Vergnügungsviertel an der Woolloomooloo Bay (schöner Name) vorbei zum Mrs. Macquaries Point werfe ich den letzten Blick auf die Oper und die Harbour Bridge.
Mit dem Taxi komme ich zum Flughafen. Der Flug nach Alice Springs ist gut. Ein toller Service und was für eine Beinfreiheit.
Hier habe ich eine Tour zum Ayers Rock, den Olgas und dem Kings Canyon gebucht. Alice Springs, von den Bewohnern nur „The Alice“ genannt, ist ein verschlafenes Outbacknest mit ca. 25.000 Einwohnern und Ausgangspunkt für Ausflüge ins „Red Centre“. Das Problem der Stadt ist der Alkoholismus und die Arbeitslosigkeit unter den Aborigines. Meine Unterkunft liegt etwa 1,5 km vom Stadtzentrum entfernt. Für den Weg benötige ich ca. eine halbe Stunde zu Fuß bei der Hitze. Es gibt eine kleine Autofreie Einkaufszone, aber alles professionell. Ich packe meinen kleinen Rucksack für die drei Tage Tour, dass restliche Gepäck bleibt in der Unterkunft. Um 6.30 Uhr geht die Fahrt mit Sahara-Tours los. Das Unternehmen heißt wirklich so und ich kann im nach hinein nur jedem dieses Unternehmen empfehlen. Wir sind insgesamt zwölf Personen. 580 KM Richtung Ayers-Rock. Nach einer halben Stunde ein Schock, hinter einer Sonnenblende kommt eine riesengroße Spinne hervor. So ein Exemplar hat noch keiner von den People, die im Bus sitzen, gesehen. Rick, der Fahrer und Guide, bremst den Bus ab. Es vergeht einige Zeit. Sekunden können zu Minuten werden. Hätte ich vorne gesessen, wäre ich vielleicht hysterisch geworden. Also Rick macht dem Spuk ein Ende und das Exemplar wird zur Tür raus befördert.
Bei einem Zwischenstopp sammeln wir Holz für das Lagerfeuer am Abend. Gegen Mittag sind wir im Camp. Ich teile mir das Zelt mit einer Französin. Die Fahrt geht gleich weiter zu den Olgas. Die Olgas bestehen im Gegensatz zum Ayers-Rock aus 36 Felskuppeln und erscheinen bei näherer Betrachtung wesentlich interessanter als der Ayers Rock. Die zerklüfteten Inselberge Kata Tjuta in der Aborigine Sprache genannt, befinden sich 32 KM westlich des Ayers Rock. Der Mt. Olga markiert mit 546 m den höchsten Punkt. Ein gigantischer Ausblick nach 3 KM Fußmarsch belohnt die wahnsinnige Anstrengung. Den Sonnenuntergang verfolgen wir am Ayers Rock. Der Abschluss des Tages krönt ein Barbecue mit Lagerfeuer. Sonnenaufgang am Ayers Rock. Ich entscheide mich für eine 6 KM Walking-Tour um den Ayer-Rock. Für die Ureinwohner ist das Besteigen ihres heiligen Felsens ein Tabu. Wer den Aborigines Respekt erweisen möchte, lässt den Aufstieg sein. Noch gehört es für das Gros der Touristen zum Pflichtprogramm. In der Tat soll man von oben einen tollen Blick auf die Weite des Outbacks haben. Bis zur Spitze sind es zwar nur 1,6 KM, aber der Fels ist höher als das Empire State Building. Nur an einer einzigen Stelle, die ähnlich einem Klettersteig durch eine Kette gesichert ist, ist der Aufstieg möglich. Der Aufstieg ist extrem steil und so mancher hat schon hier seine Kräfte überschätzt. Und nur weil „Alle“ es tun, muss es längst nicht für „Jeden“ richtig sein. Betrachtet man diesen riesigen Felsklotz aus der Ferne, so meint man, dass er geradewegs vom Himmel gefallen ist. Der Ayers Rock, Ululuru genannt, ist sedimentär Gestein, stark zementiert und deshalb härter als die umgebende Schicht. Im Lauf der Jahrtausende hob sich das Gebiet und wurde gleichzeitig durch Wind-, Wasser- und Temperaturerosion abgetragen. Übrig blieb ein massiver Fels. Der Ululuru weist keinerlei durchgehende Spalten auf und gilt daher als echter Monolith, während bei Kata Tjuta (den Olgas) Verwerfungen zu mehreren kleineren Erhebungen führen. Geologen schätzen, dass nur die Spitze der Inselberge hervorragt und sich vier bis fünf Kilometer unter der Erde fortsetzen. Der Ayers Rock ist 348 m hoch und hat einen Umfang von 8,8 KM, er ist 3,4 KM lang und 2,4 KM breit. Aufgrund des Eisengehaltes im Stein schimmert der Fels stetes rötlich und verändert seinen Farbton besonders dramatisch mit der auf- und untergehenden Sonne.
Die Fahrt geht zum Kings Canyon. Der Auf- und Abstieg von 6 KM dauert ca. 4 Stunden. Der Kings Canyon ist Teil des Watarrka Nationalparks in der George Gill Range. Es ist die größte und bizarrste Schlucht in Australien. Mit über 200 m hohen Felswänden und tiefen farnbewachsenen Tälern, ist der Canyon ein faszinierender Einschnitt in der ansonsten trockenen Landschaft. Die Anstrengung für den teilweise extremen Auf- und Abstieg hat sich gelohnt. Die Tour geht dem Ende zu. Auf dem 330 km langen Weg zurück nach Alice wählt Rick eine Abkürzung. Die Strecke ist kürzer und eine richtige Off-Roud-Strecke. Ganz nach meinem Geschmack. Phantastisch mit dem Auto quer durch den Roten Kontinent zu fahren. Abends bin ich wieder in meiner alten Unterkunft. Von Alice Springs nach Darwin habe ich einen Flug vorgebucht. Es ist zu empfehlen Flüge, Touren, Autos sowie Buspass bereits in Deutschland zu buchen, da das um vieles günstiger ist. Der Flug ist wiederum sehr angenehm. Als ich am Flughafen von Darwin mich nach einer Unterkunft informiere, ruft jemand meinen Namen. Das Rufen habe ich nicht sofort registriert. Wer kennt mich schon in Darwin! Es ist Annette und Robert. Ein nettes Pärchen aus Neustadt/Weinstraße, die mit auf der Tour zum Ayers Rock dabei waren. Die beiden wollen ein paar Tage in Darwin verbringen und dann weiter zur Ostküste. Wir entschließen uns gemeinsam eine Unterkunft zu suchen. Als wir das Flughafengebäude verlassen, schlägt uns eine subtropische Luft entgegen. Ich habe das Gefühl, ich bekomme keine Luft mehr, so krass ist der Unterschied. Der Norden von Australien wird in den Sommermonaten, also in unseren Wintermonaten, regelrecht von einer subtropischen Wetterlage heimgesucht. Die Luftfeuchtigkeit ist extrem hoch. Darwin ist die nördlichste Stadt Australiens und Hauptstadt des Northern Territory. Durch schwere Monsunregen und Wirbelstürme, wurde Darwin schon manche Härte beschert. Viele Landstriche sind durch Überschwemmungen unpassierbar. Zuletzt war Darwin 1990 für 2 Wochen von der Außenwelt abgeschnitten. 1974 verwüstete ein Zyklon mit 280 km/h die Stadt. Die Durchschnittstemperatur beträgt ca. 30-35 °C.
Darwin hat sich in den letzten Jahren für die asiatischen Länder zum Eingangstor Australiens entwickelt.
Charakteristisch für Darwin ist der unglaublich hohe Bierkonsum der Einwohner von über 240 Liter pro Kopf.
Nach viel Anstrengung ist ein Zimmer gefunden. Jetzt muss ich erst mal etwas Wäsche waschen, denn für die nächsten Tage habe ich wieder eine Tour gebucht. In jeder Unterkunft gibt es eine Waschmaschine bzw. ein Wäschetrockner oder auch Wäscheleinen zum trocknen. Es besteht also kein Anlass, übermäßig viel Gepäck nach Australien mitzunehmen. Mein Rucksack hat ein Gewicht von 12 kg. Im nach hinein bin ich der Meinung: Das war noch zuviel. Abends treffe ich mich mit Annette und Robert in einem guten Restaurant. Ich bestelle mir Fisch mit Reis. Der Fisch entpuppte sich als Garnelen in einer köstlichen Soße. Dazu ein Glas Weißwein, was will ich mehr! Wir verstehen uns prächtig und erleben einen sehr schönen Abend. Am nächsten Morgen packe ich die nötigsten Sachen in meinen kleinen Rucksack und gehe stadtauswärts, Richtung Meer, Botanic Gaden und Casino. Es ist unglaublich heiß. Gegen Mittag bin ich am Meer, finde ein nettes Lokal und bestelle mir ein spätes Frühstück. Es sind viele Australier hier, die auch erst um diese Zeit frühstücken. Anschließend gehe ich ein Stück am Strand entlang. Baden ist in den Monaten Oktober bis April in Darwin wegen der Box Jelly Fish, einer Quallenart, verboten. Der Kontakt mit den giftigen Tentakeln dieser Quallenart kann zu Lähmungserscheinungen und unter Umständen auch zum Tod führen. An allen Stränden stehen Warntafeln. Da ich immer etwas Neues entdecke, bin ich trotz tropischer Hitze, erst am späten Nachmittag in meiner Unterkunft. Nach einer ausgiebigen Dusche, die nicht viel nutzt, ich bin genauso nass wie vorher, gehe ich zum essen. Mein erstes Steak im Aussie-Land. Zurück auf meinem Zimmer, das teuerste Zimmer übrigens was ich bisher hatte, 18 A$ die Nacht und Dusche und Toilette auf dem Gang, packe ich mein Rucksack. Die neue Tour führte durch die Kimberleys über die Gibb River Road und dauert 7 Tage. Um 5.25 Uhr stehe ich mit noch zwei Touri’s startbereit vor der Unterkunft. Der Guide vom Reiseunternehmen kommt mit einer Stunde Verspätung. Er macht einen unsympathischen und dreckigen Eindruck. Wirft die Rucksäcke in den Bus und ab geht es in die Stadt zum Büro des Reiseunternehmens. Hier wird das Fahrzeug neu gepackt. Die Rucksäcke, Zelte, Schlafsäcke und alle Campinggegenstände, kommen oben auf das Dach, ohne Rücksicht auf Verluste. Der Fahrer zieht sich ein frisches Hemd an und ab geht die Fahrt. Wie sich später herausstellte, hat Jim auch erst an diesem Morgen erfahren, dass er diese Tour fährt. Wir sind insgesamt 11 People im Bus. Wir fahren den ganzen Tag. Die Klimaanlage funktionierte nicht, es ist heiß. Beim passieren der Grenze zu Westaustralien müssen wir durch eine Quarantäne Kontrolle für Obst und Pflanzen. Die Uhr stellen wir um eineinhalb Stunden zurück. Innerhalb von Australien gibt es verschiedene Zeitzonen. Gegen 19.00 Uhr sind wir an unserem ersten Rastplatz, bei Kununurra. Wie sich rausstellt, wird das meine erste Nacht im Freien,ohne Zelt. Um 2.00 Uhr nachts werde ich wach, es geht ein fürchterlicher Sturm. Luzy aus Holland sitzt aufrecht in ihrem Schlafsack und hat nur darauf gewartet, dass ich wach werde. Sie fragte mich, ob ich mit ihr zum Auto gehe und wir im Auto weiter schlafen wollen. Es wird nicht die erste Nacht, die wir im Auto verbringen werden. Wir verzichten auf ein Frühstück und fahren nach Kununurra. Kununurra bedeutet treffend „Ort des Wassers“. Die Retortenstadt ist weitläufig, geometrisch angelegt und entbehrt mit ihren einfachen Häusern jeglichen Charmes. In einem Kaffee gehen wir frühstücken. Im Supermarkt kaufen wir für zwei Tage Vorräte. Die Fahrt soll heute bis zu dem spektakulären Bungle Bungle Nationalpark gehen. Die Kimberley-Region oder schlicht „The Kimberley“ umfasst ein 320.000 km2 großes Gebiet im Nordwesten des Kontinents. Die unglaubliche Ausdehnung und Unerschlossenheit verdanken den Kimberly den Ruf eines der letzten Wildnisgebiete der Erde zu sein. Zwischen der Diamantenstadt Kununurra im Osten bis zur Perlenstadt Broome im Westen gibt es bizarre Bergketten, tropische Regenwälder, breite Steppen, zerfurchte Schluchten und und und … die Aufzählung lässt sich endlos fortsetzen. Es gibt allein in den Kimberley sieben Nationalparks und einige Naturreservate. Davon sind nicht alle zugänglich. Die beste Reisezeit ist von April bis Oktober, wenn die Temperaturen nur bis auf ca. 35°C steigen. Viele Straßen sind nach der Regenzeit auf Wochen unpassierbar. Nach einigen kleinen Pausen und einem Halt an einem Bottle Store, wo wir immer wieder betrunkene Aborigines sehen, vor allem Frauen, erreichten wir in der Dunkelheit, nach zwei Stunden fürchterlicher Off-Rood-Strecke, unser Camp. Hier schlagen wir für zwei Tage unser Lager auf um verschiedene Touren zu unternehmen. Außer einer Toilette gab es hier nichts, aber auch gar nichts, dass bedeutet mindestens zwei Tage kein Wasser zum waschen. An diesem Abend grillen wir Steaks und Würstchen, dazu ein großer Topf mit Kartoffeln, Gemüse und Wein. Mir ist von dem Wein so schlecht, aber nicht nur mir, alle die Wein getrunken haben, geht es am nächsten Tag nicht so gut, wir sind ganz schön verkatert. Seit dem Abend heißt der Wein: Chateau Migrän.
Nach dem Frühstück geht es los zu den spektakulären Bungle Bungle. Zwei Stunden Walking in die Cathedral Gorge, dann weiter zur Echidna Chasm. Am Eingang sprießen Palmen. Die Schlucht ist eng, stellenweise kaum ein Meter breit. Felswände wachsen in den Himmel, den man allerdings kaum noch sehen kann. Das Bungle Bungle Massiv ist 350 Millionen Jahre alt und gehört zu den bekanntesten Attraktionen der Kimberley Region. Auf mehr als 45.000 ha breiten sich die gerundeten Felskuppen wie Honigwaben aus. Das Massiv wurde durch Flüsse der umgebenden Berge tief ausgewaschen, der Sandstein dadurch Schicht für Schicht komprimiert. Die heftigen Regenfälle im Sommer bewirken die Entstehung von Tälern und Schluchten, die dem Bergmassiv ein bienenkorbähnliches Aussehen verschaffen. Mittlerweile liegt die Oberfläche der Bungles 300 Meter über der Basis. Der Zugang zu den Schluchten ist nur durch verschiedene Flussbette möglich und deshalb nur außerhalb der wet season.
Gegen Mittag fährt Jim zu einem kleinen Flugplatz. Hier stehen zwei Helikopter bereit. Wer möchte, kann für 150 A$ einen Flug über die Bungle Bungle machen. Es ist ein unvergessliches, phantastisches Abenteuer. Wir sind total begeistert. Die Hitze ist jedoch unerträglich. Die Luftfeuchtigkeit ist seit Darwin etwas zurückgegangen. Seit gestern sehen wir die großen Flächenbrände am Horizont. Der Westen von Australien ist bekannt für die Flächenbrände um diese Jahreszeit. Je weiter wir nach Westen kommen, umso mehr Feuer und Rauch ist zu sehen. Abends und nachts in der Dunkelheit ist der Himmel rot von den Flammen. Ich habe mich an die Übernachtung im Freien gewöhnt und gewinne dem ganzen etwas Positives ab. Es ist schön unter freiem Himmel zu liegen und den Tag, die Eindrücke, passieren zu lassen. An diesem Nachmittag fahren wir noch zu den Felsformationen Picaninny Creek. Wir steigen in enge Schluchten ein. Das Gestein ist bis zu 100 Meter hoch. Es ist unbeschreiblich, gigantisch. Die Landschaft entschädigt für alles, auch dass ich total verdreckt und verschwitzt bin und mich nach einer Dusche sehne. Abends haben wir Glück und ein Wasserhahn funktioniert, es dauert aber nicht lange und das Wasser ist wieder versiegt.
Die Fahrt geht weiter in Richtung Weyham zur Gibb River Road. Unterwegs machten wir halt an einer Grotte. Jim meinte wir können hier baden. Wir sind alle in freudiger Erwartung und steigen die 30 Stufen zu der Grotte hinab. Was uns da erwartete, ist eine grüne Brühe. Es ist ein schöner schattiger Platz, aber nichts zum baden. In Weyham füllen wir unsere Vorräte für die nächsten drei Tage auf. Am Stadteingang werden wir von einem 20 Meter hohen Zementkrokodil begrüßt, als Hinweis auf die vielen lebenden Spezies entlang der Küste. Hoch über der Stadt liegt der Mt. Bastion Five River Lookout. Ein Aussichtspunkt, der einen phantastischen Blick auf die fünf Flüsse: King, Pentecost, Durack, Forrest und Ord River, gibt, die sich hier treffen um in den Cambridge Gulf zu münden. Was für ein herrliches Land. Auf einer holprigen Piste geht es durch das ausgetrocknete Flussbett des Kings River, wunderschön. In einer Woche beginnt hier die Regenzeit und es treten heftige Stürme auf, dann kann die Tour nicht mehr gefahren werden. Die gesamte Region wird überschwemmt. Station an diesem Abend ist eine Farm. Total primitiv, aber eine Dusche. Jim gekocht. Es hat keiner Lust ihm zu helfen. Irgendwie ist bei allen die Luft raus. Nachdem wir am nächsten Morgen alle zur Abfahrt bereit im Auto sitzen, springt die Karre nicht an. Ab diesem Tag muss das Auto immer angeschoben werden. Von der Farm geht die Fahrt weiter durch das ausgetrocknete Flussbett des Kings River in Richtung Süden, bis wir die Gibb-River–Road erreichen. Hier biegen wir ab Richtung Westen zur El Questro Station. Wir sind in einem Luxus-Camp gelandet. Was für ein krasser Gegensatz zu den letzten Tagen. Wir ziehen unsere Badesachen an und laufen zur Emma Gorge, einem Wasserfall. Hier können wir baden. Wie im Paradies. Zurück können wir noch den Pool der Loge benutzen, etwas trinken und in dem kleinen Shop einkaufen. Unseren Lunch nehmen wir am Auto zu uns. Unsere Fahrt weiter zu Jacks Waterhole. Auch hier können wir in das kühle Nass springen. Es ist ein kleiner Wasserfall, mit übereinander liegenden kleinen Pools, umgeben von Palmen und Grün. Es ist immer wieder erstaunlich, wie süchtig man nach Wasser werden kann, bei stocktrockener Hitze. An diesem Tag werden wir regelrecht verwöhnt. Anschließend geht die Fahrt zurück auf die Gibb-River-Road und weiter in Richtung Broom. Die schöne Landschaft nimmt uns gefangen. Die unendliche Weite dieses Landes. Als der Tag sich zu Ende neigte, fährt Jim einfach rechts von der Fahrbahn ab und beginnt unser Lager aufzuschlagen. Wir sind furchtbar wütend, er hat uns versprochen an diesem Abend auf einen ordentlichen Campground zu fahren. Es gibt heiße Diskussionen. Stuart ist mit Jim auf dem Autodach um das Gepäck abladen. Da sagte er zu Jim: Weißt Du wie dieser Platz ist? Zieht sich die Hose runter und streckte Jim den nackten Hintern entgegen. Aber auch diese Nacht geht vorbei. Viele Schluchten säumen unseren Weg, Adcock Gorge und Bell Creek Gorge. Hier machen wir halt. Eine wunderschöne Palmenoase lädt zum baden ein. Raue Gebirgszüge und gewaltige Boab-Bäume säumen unseren Weg bis zur Windjana Gorge, die unser heutiges Etappenziel ist. Die Boab-Bäume kommen in Australien nur in der Kimberley Region und an wenigen Stellen im Northern Territory vor. Boabs werden leicht über 1000 Jahre alt. Die Felswände der eindrucksvollen Windjana Gorge, erheben sich abrupt aus dem Flussbett des Lennard River und sind bis zu 100 Meter hoch. Die Schlucht kann auf 3,5 KM begangen werden. Für heute Nacht haben wir einen richtigen Campground, mit Dusche und Toilette. Wir grillen Lammsteaks, dazu Kartoffeln, Blumenkohl und Broccoli. Das Bier geht zu Ende, also wird der restliche Wein getrunken; Chautou Migrän. Wir nehmen das Radio in Betrieb und legen ein paar Kassetten ein. Nachts laufen die Junges aus der Gruppe, Chris aus Australien, Warren und Stuart aus Neuseeland, Mattwe aus Tasmanien und Phil aus England mit Taschenlampen ausgerüstet in die Gorge, um Krokodile anzulocken. Hier leben Süßwasser Krokodile, mit ihrer charakteristischen schmalen Schnauze; sie werden etwa drei Meter lang und sind nahezu ungefährlich. Auf dem Rückweg fallen ihnen bis auf eine Lampe alle aus, so übersehen sie Karl, der sich wie immer abgesondert hat und mit seinem Schlafsack mitten auf dem Weg campiert.
Der letzte Tag der Tour durch die Kimberleys. Wir fahren zum Tunnel Creek Nationalpark. Auf dem Weg dorthin, Jim hat wie immer ein wahnsinniges Tempo drauf, bremst er das Fahrzeug so abrupt ab, dass wir alle nach vorne fliegen. Er springt mit Warren, der auf dem Beifahrersitz sitzt, aus dem Auto und die beiden rennen los. Jim verliert sogar seine Badelatschen –die hat er immer an, auch beim Auto fahren-. Jetzt kommt er mit der Trophäe in der Hand zurück: Ein Fill-Necked-Lizard.
Wir erhalten einen kleinen Vortrag zu diesem seltsamen Tier, bevor er es wieder auf die Straße setzt. Zur Drohgebärde richtete sich das Tier auf, so dass es aussieht, als hätte es einen großen Kragen um den Hals.
An der unterirdischen Höhle des Tunnel Creek angekommen, ziehen wir offene Schuhe und kurze Hosen an. Mit den restlichen intakten Lampen, gehen wir zu dem 750 Meter langen Tunnel der Napier Range. Der 12 Meter hohe und 15 Meter breite Durchgang kann von Abenteuerlustigen durchlaufen werden. Der Eingang ist durch große Felsblöcke blockiert. Wir steigen über die Felsblöcke. Die Höhle liegt im dunklen vor uns. Die Lampen werden eingeschaltet und ab geht es im Gänsemarsch. Sofort stehen wir im Wasser, es ist unerwartet warm, glasklar und angenehm. Nach ca. 50 Meter ein fürchterliches Geschrei. Die Lampen gehen in Richtung Decke und siehe da, an der Decke der Höhle hängen hunderte von Fledermäusen. Und immer tiefer geht es in die Höhle. Es ist unbeschreiblich schön und gleichzeitig etwas unheimlich. Ungefähr in der Mitte der Höhle ein Lichteinfall. Ein Felseinbruch, der etwas Licht ins bizarre Dunkel lässt. Sträucher und Blumen ragten durch die Öffnung bis in die Höhle. Man nimmt an, dass das Wasser einst übers Riff floss, als das umliegende Land höher lag. Das einstige Flusstal ist auf der Höhe des Riffs noch erkennbar. Nach einer kurzen Rast geht es weiter. Jetzt wird das Wasser tiefer. Da ich ein kleiner Mensch bin, reichte mir das Wasser sofort bis zur Hüfte, aber schwimmen musste ich nicht. In der Ferne ist ein kleines Licht zu sehen, dass beim Näher kommen immer größer wird und bald sehen wir auch den Ausgang. Nach einem kurzen Aufenthalt, treten wir den Rückweg an. Diese Tunneldurchquerung ist für mich mit eines der herausragenden Erlebnisse dieser Tour.
Jetzt heißt es für Jim Kilometer machen, wir wollen abends in Broome sein. Zum Lunch, den wir heute schon fast zu Kaffeezeit einnehmen, sind wir in Derby. Zum Sonnenuntergang sind wir am Pazifischen Ozean. Broome, auch die Perlenstadt Australiens genannt, ist das südwestliche Eingangstor der Kimberleys. Die Entdeckung der „Pintada Maxima“, der größten Perlenmuschel, führte um 1880 zur Gründung dieser Siedlung. Die Perlenindustrie erreichte 1913 ihre Blütezeit. Broome kontrolliert 80% des weltweiten Perlenmarkes.
Für die nächsten zwei Tage und Nächte buche ich mir ein Hotelzimmer. Ich habe einen Punkt erreicht, an dem ich einfach mal alleine sein möchte, um nicht zuletzt auch die Eindrücke von dem grandiosen Naturschauspiel, was mir in den letzten sieben Tagen geboten wurde, zu verarbeiten. Für den Abend hat Jim die gesamte Gruppe zu einem Dinner eingeladen. So zu sagen als Abschiedsessen. Das Essen ist sehr gut. Wir sind aber alle so müde, dass die Runde sich schon früh auflöst. Um 22.00 Uhr liege ich auch schon im Bett.
Ich ziehe ein kleines Resümee der Tour durch die Kimberleys. Was ich am Anfang primitiv fand, war bald vergessen. Das große unterschiedliche Niveau der Leute, die so eine gemeinsame Reise machen, der katastrophale Zustand des Autos, Klimaanlage kaputt usw.. das alles ist vergessen. Es überwiegt die einmalige raue Schönheit und Weite dieses Kontinents. Die Tour war wunderschön.
Gegen Mittag laufe ich in Richtung Stadtzentrum.
Ich mache einige Besorgungen, Bank, Buchung des Busses für meine Weiterfahrt, bisschen Shopping. In der Mittagshitze sitze ich am Pool des Hotels. Das Relaxen am Pool tut mir gut. Abends gehe ich zum Essen wieder in die Stadt. Das Bier schmeckt hier gut, obwohl ich sonst kein Biertrinker bin.
Gestern spricht mich das Zimmermädchen aus dem Hotel an. Woher kommst Du? Sie ist aus Österreich und lebt schon seit fünf Jahren in Australien. Hier hat sie ihren Mann, einen Australier, im Urlaub kennen gelernt. Gemeinsam haben sie zwei Kinder, und nun möchte nicht mehr nach Österreich zurück.
Das Flugzeug von Broome nach Port Hedland ist eine sehr kleine Maschine. In der ganzen Stadt gibt es nur einen Backpacker. Als das Taxi vor dem Gebäude hält, denke ich, es ist der Vorbau von einem Schrottplatz. Und wieder einmal bin ich überrascht. Innen alles sauber und ich habe ein Bett. Die Hafenstadt bietet den Charme eines Industriereviers, nämlich keinen. Dies mag Anfang des Jahrhunderts noch anders gewesen sein, als Gold aus Marble Bar mit Kamelen und Maultieren nach Port Hedland geschafft wurde. In dem Ort gibt es nichts aber auch gar nichts, na ja für eine Nacht wir es gehen. Port Hedland kann man nur als Zwischenstopp benutzen. Hier sehe ich zu ersten Mal das Meer verschmutzt. An dem gesamten Küstenstreifen bis zur Westküste hin, ziehen sich große Abbaugebiete von Erzminen. Die Fahrt mit dem Bus nach Dampier dauerte vier Stunden. Der Bus hält direkt am Hotel. Dampier ist ein noch größerer Industrieort wie Port Hedland. Es gibt auch hier absolut nichts Sehenswertes. Das Hotel hat große Wohnblocks, unterschiedlich je nach Qualität. In den einfachen Zimmern wohnen die Arbeiter, die in den Minen ringsum beschäftigt sind. Das Hotel liegt außerhalb der Stadt. Für einen Besuch in der Stadt muss ich mir ein Taxi nehmen. Eine sehr nette Taxifahrerin steuert das Auto. Sie möchte viel über Deutschland wissen. Schnee hat sie noch nie gesehen. Es ist sehr heiß an diesem Tag ca. 38°C. Im Sommer kann es hier bis zu 48°C werden. Ein älteres Ehepaar, wie sich im nach hinein herausstellte - aus der Schweiz, wartete mit mir zusammen auf den Bus Richtung Westen. Ich habe gesehen, dass sie am Vorabend ankommen sind. Wir unterhalten uns ein wenig. Die beiden wollten, genau wie ich, mit dem Bus nach Exmount. Exmount ist nicht auf direktem Weg zu erreichen. Die Fahrt geht bis Carnarvon. Hier müssen wir umsteigen und mit dem Bus der von Perth kommt wieder in Richtung Norden fahren. Die Ankunft in Carnarvon ist morgens um halb drei. Der Anschlussbus kommt aber erst um 9.30 Uhr. Ich bin davon ausgegangen, dass hier ein Aufenthaltsraum oder Wartesaal ist. Nichts, aber auch gar nichts gibt es hier. Die Touristen werden vor dem Tourist Bureau ausgeladen und können sehen wo und wie sie die Zeit verbringen. Was soll ich machen? Es ist kalt. Alle haben sommerliche Kleidung an. Ich packe vor dem Touristen Büro meinen Schlafsack aus, lege mich hinein und kann tatsächlich noch ca. zwei Stunden schlafen. Mitten in der Stadt, wie ein Landstreicher auf dem Bürgensteig vor dem Touristenbüro. Mit einer Stunde Verspätung kommt der Bus. Ich checke gerade ein, da umfasst mich jemand von hinten und ruft meinen Namen. Ich drehe mich um und, voller Freude, blicke ich Luzy und Rene aus Holland in die Augen. Sie kommen aus Exmount und haben hier im Ort übernachtet. Die beiden haben den Bus gesehen und da sie wussten, dass ich mit einem Bus die Westküste entlang fahre, haben sie einfach mal geschaut, ob ich nicht bei den wartenden Passagieren bin. Die Freude war groß. Mit ein paar Tipps für Exmount werde ich verabschiedet. Ich schließe ich mich dem Schweizer Ehepaar an und steige im gleichen Backpacker ab. Exmount ist die jüngste Stadt Australiens. Die reichen Fischgründe, die schönen Strände, das Ningaloo Reef und der Cape Range National-Park haben die Stadt zu einem beliebten Ferienort werden lassen.
Ein Shuttle-Bus steht schon am Tourist-Office bereit, um uns abzuholen. Die Fahrt geht zu einer großen Anlage außerhalb der Ortschaft. Hier gibt es neben großen Wohncontainern und Wohnwagen ein Zeltplatz. Die Anlage ist sehr gepflegt, gut ausgestattet und hat einen Pool. Ich ziehe in einen großen Wohncontainer. Der Küchenbereich ist komplett ausgestattet, es fehlte an nichts. Und ich habe den Container für mich ganz allein.
Mit dem Shuttle Bus fahre ich noch mal in die Stadt um für den Abend etwas einzukaufen und für den nächsten Morgen eine Dolphins- and Whales-Tour zu buchen.
Es ist stürmisch und das Meer aufgewühlt. Ein Kind ist mit an Bord. Nach einer halben Stunde Fahrt, das Boot schlägt hart auf den Wellen auf, meinte unser Guide, wir fahren zurück und versuchen es am Nachmittag noch mal. Das Kind ist nur am weinen und ich glaube, dem Guide war es mit dem Kind bei dem Sturm zu riskant. Die Fahrt am Nachmittag wurde ebenfalls abgesagt. Der Wind hatte sich nicht gelegt. So verbringe ich diesen Tag nur mit warten. Ich entschließe mich zum Strand zu laufen. Für den Abend habe ich mich zum Barbecue am Pool im Camp angemeldet. Fisch und Salat sollte es geben. Ich setzte mich zu dem Ehepaar aus der Schweiz an einen Tisch. Eine junge Frau fällt mir auf, ich habe sie vorher noch nicht gesehen. Sie ist sehr schweigsam. Die junge Frau –Tina- kommt nach dem Essen an unseren Tisch. Der Abend dauerte dann doch etwas länger als vorgesehen. Tina, ist aus Berlin. Sie ist für ein halbes Jahr in Australien und hat vor drei Wochen am Strand von Broome geheiratet. Ihr Mann musste aus beruflichen Gründen zurück. Tina hat jetzt die Möglichkeit für ein halbes Jahr beruflich auszusteigen. Ich kann es verstehen, wenn man so fasziniert ist von dem Land, dass man die Gelegenheit nutzt und ein halbes Jahr bleibt. Tina hat schon öfter ihren Urlaub in Australien verbracht und vor drei Jahren einen großen Geländewagen gekauft, den sie in Broome bei Freunden abgestellt hat. Sie will entlang der Westküste bis Perth fahren.
Die auf den nächsten Morgen verlegte Bootsfahrt fällt buchstäblich ins Wasser. Der Sturm hatte noch zugenommen.
Also kann ich nur auf den Bus warten, der mich am späten Nachmittag Richtung Perth bringen sollte. Ich habe mich entschlossen, keinen Zwischenstopp mehr einzulegen. So sitze ich vor meinem Wohncontainer im Schatten und warte. Da kommt Tina mit ihrem Auto angefahren. Sie hält an und wir unterhalten uns etwas, dabei kommen wir auf die Idee mit dem Auto bis zur Nordspitze von Exmount zu fahren. Den Tipp hatten mir Luzy und Rene‘ gegeben. In 20 Minuten sind wir da. Tina ist genauso überrascht wie ich. Unbeschreiblich. Ein Foto kann es nicht wiedergeben. Das Meer, der Strand, die Weite, menschenleer. Das Wasser des Indischen Ozeans. Die Farben wechseln über türkis zu tief blau. Wir verbringen zwei wunderschöne Stunden am Strand. Mit und ohne Worte, einfach nur wirken lassen.
Nachmittags kommt der Bus und für mich geht es in Richtung Perth. Es wird eine lange Nacht. Um 7.00 Uhr morgens bin ich in Perth. Wie immer gibt es kein Problem mit einer Unterkunft. Paul vom Ozi Inn steht am Busbahnhof. Er nimmt mich und vier weitere Leute mit zu seinem Backpacker, den er zusammen mit Scotty führt. Ich stelle nur meinen Rucksack ab und gehe gleich auf Erkundungstour durch Perth. Einmal quer durch die Stadt bis zum Hafen, zum Swan River. Perth liegt am Nordufer des Rivers, der aufgrund seiner Breite eher an einen See erinnert. Im Hafen legen Schiffe ab. Hier wird für eineinhalb Stunden eine Fahrt auf dem Swan-River angeboten. Ich habe Glück und kann noch mitfahren. Perth liegt fernab der anderen Metropolen Australiens. Trotzdem ist Perth eine der attraktivsten und modernsten Städte des Landes. Eine Metropole mit Hochhaustürmen, Fußgängerzonen, Einkaufszentren, Parks und nicht zuletzt einer breit gefächerten Kunst- und Kulturzene. Es ist merklich kühler als im Norden des Landes, aber angenehm. Die Sonne scheint beinahe täglich acht Stunden. Die Temperatur ist vergleichbar mit Sydney. Perth ist anders als Sydney, englischer. Es gibt sehr viele alte Gebäude und es fällt mehr Licht in die Stadt.
Am nächsten Morgen gehe ich schon sehr früh los um nach Frementle zu fahren. Frementle liegt 19 km südlich von Perth an der Mündung des Swan River, direkt am Indischen Ozean und ist bequem und preiswert mit der Bahn zu erreichen. Die ersten Gebäude wurden 1829 von Sträflingen errichtet. Viel von der kolonialen Architektur ist bis heute erhalten. Die Stadt hat sich mit vielen Restaurants und Pubs zu einem In-Treffpunkt entwickelt. Seit langer Zeit, kommt mein Fotoapparat wieder voll zum Einsatz. Es gibt viele Kirchen in der Stadt. Gerade mache ich wieder ein Foto, da steht Luzy und Rene aus Holland vor mir. Ich weiß nicht was ich sagen soll, die beiden haben nur gelacht. Wie kann es sein, dass man sich nach 1000 KM durch Zufall wieder trifft? Luzy hat Sonntag Geburtstag. Die beiden fahren jetzt weiter in Richtung Süden, kommen aber wieder zurück nach Perth. Wir verabreden uns für Montag zu einer Fahrt nach Rottnest Island. Zurück in Perth buche ich mein Bett für die restliche Woche, ziehe mich um und gehe in eine Foot Hall zum essen; zu Old Shanghai. Es ist eine große Hall mit vielen verschienen Ständen. Es werden ausschließlich asiatische Gerichte angeboten. Ich entscheide mich für ein vietnamesisches Essen bei Little Saigon, dazu ein Bier. In dieser Nacht schlafe ich 12 Stunden. Heute möchte ich mir den Zoo ansehen. Der Zoo von Perth liegt im Süden der Stadt. Man überquert mit der Fähre den Swan-River und geht noch 15 Minuten zu Fuß. Der Zoo gefällt mir gut. Die Tiere sind im Gegensatz zum Zoo von Sydney artengerechter untergebracht, vor allem die Afrikanischen. Sogar ein Weißes Nashorn gibt es hier. Ich lasse mir sehr viel Zeit für den Zoobesuch. Allein schon die wunderschöne Anlage für exotische Schmetterlinge ist sehenswert. Auf dem Weg zurück, kaufe ich mir mein erstes Eis in Australien. In meinem Backpacker unterhalte ich mich noch mit Isabell aus Freiburg. Sie verbringt drei Monate in Australien und kann mir noch ein paar Tipps geben.
Den ganzen Morgen bummele ich durch das Shopping Center von Perth. Jetzt habe ich die Gelegenheit und kaufe mir einen Australischen Hut. Gegen Mittag nehme ich mir meine Badesachen und fahre mit dem Bus zum Strand nach Scarborough. Der Ort liegt etwa 20 KM nördlich an der Küste. Perth hat keinen Badestrand, jedenfalls nicht das, was man sich unter einem richtigen Beach vorstellt. Es wird ein sagenhaft schöner Nachmittag. Eine schöne windgeschützte Ecke zwischen den Dünen lässt mich lange am menschenleeren Strand verweilen. Ab und zu mal ein Spaziergänger und in der Ferne viele Surfer, die die gute Priese nutzten. Es wird schon dunkel als ich mich entschließe zurückzufahren. Beim Abendessen, ich stehe am Stand für Getränke und bezahle mein Wein, da steht Rene neben mir. Er und Luzy sitzen mit Bekannten am anderen Ende der großen Food-Hall. So viel Zufallstreffen kann es eigentlich nicht geben. Später treffen wir uns alle an einem Tisch. Es wird ein sehr netter Abend.
Am nächsten Tag laufe ich nach einem kleinen Bummel durch das Shopping-Center zum Kings Park. Der Park liegt ca. 2 KM vom Zentrum entfernt. Man hat einen phantastischen Blick über die Stadt und den Schwan River. Der Park ist riesig, mit einem botanischen Teil und vielen kleinen Seen. Es ist schon morgens sehr warm. In Australien ist um diese Jahreszeit Frühjahr. Es kommen immer mehr Leute die ihren Picknickkorb dabei haben und ihren Lunch auf dem Rasen des Parks einnehmen. Ich suche mir ein kleines Plätzchen, sitze faul rum, schreibe oder schaue nur auf die Stadt und den River mit hunderten von Segelbooten, den Wasserskiläufern oder den Surfern. Es ist wunderschön, ich fühle mich richtig glücklich und bleibe den ganzen Tag. Zwischendurch schlafe ich mal oder sehe mich einfach nur um.
Abends in der Food-Hall hole ich mir zu meinem Wein ein Essen vom Shanghai Stand. Das war bisher das Beste was ich in der Woche gegessen habe.
Eigentlich wollte ich noch einmal zum Strand, fahre dann aber mit der Bahn noch einmal nach Frementle. Bei meinem ersten Besuch in der Stadt, habe ich mir das Museum nicht angesehen und der Markt war an dem Tag geschlossen. Das Gefängnis von Frementle wurde im November 1991 geschlossen und ein Teil der Öffentlichkeit als Museum zugänglich gemach. Das Gebäude wurde 1849 als erstes Gefängnis Australiens von den Engländern gebaut. Zwischen 1850 und 1868 kamen 9.000 Sträflinge in Frementle an.
Ich entschließe mich an einer Führung teilzunehmen. Durch die Führung komme ich durch Räumlichkeiten, die ich sonst nicht gesehen hätte. Unter anderem die Zellen wo die Todeskandidaten saßen oder die Hinrichtungsstätte. Es ist ein kleiner Raum mit einer Falltür über der ein großer Strick hängt, ein bisschen unheimlich. Nach einem Bummel durch die Markthalle trinke ich noch einen Cappuccino und fahre zurück. Abends bin ich mit Luzy und Rene verabredet. Isabell aus Freiburg kommt mit um Luzy’s 50. Geburtstag zu feiern. Wir gehen in eine Bar. Am nächsten Morgen bin ich verkatert. Wir haben gut gefeiert. Um 8.30 bin ich mit den beiden verabredet. Wir wollen an diesem letzten Tag gemeinsam mit dem Schiff nach Rottnest Island fahren. Die Insel liegt 18 km vor der Küste Perths, im Indischen Ozean und ist mit dem Schiff zu erreichen. Die Geschichte der Insel ist vielschichtig. Sie diente als Gefangeneninsel für Aborigines, Kriegsgefangenlager und Verteidigungsbastion. Kleine Korallenriffe und Schiffswracks machen Rottnest auch für Taucher interessant. Rottnest ist Autofrei. Wir mieten uns Fahrräder und fahren los. Wir haben einen furchtbar heißen Tag erwischt. Jeder ist mit einer kleinen Flasche Wasser ausgerüstet. Die Insel ist wunderschön. Nach zwei Stunden auf dem Fahrrad denke ich, ich bekomme einen Hitzschlag. Die letzten Meter schieben wir und verdrücken uns anschließend in ein Lokal. Ich trinke vier Gläser Wasser hintereinander. Luzy und Rene bevorzugen ein kühles Bier. Nachdem ich eine Orange gegessen habe, geht es mir besser. Abends sind wir wieder in Perth. Da der Shuttle Bus nicht mehr fährt, laufe ich den ganzen Weg bis zu meinem Backpacker. Nach einer ausgiebigen Dusche gehe ich zum essen. Mein letzter Abend in Perth. Von Luzy und Rene habe ich mich schon verabschiedet. Also kann ich die beiden nicht mehr „zufällig“ beim Essen treffen.
Mein letzter Tag in Australien. Dicke Regenwolken hängen über der Stadt. Wie in Sydney am Tag meiner Abreise.
Noch ein letztes Frühstück. Um 12.30 Uhr kommt der Shuttle Bus, der mich zum Flughafen bringt. Im Bus bin ich der einzige Passagier. Im Flugzeug habe ich einen Fensterplatz. Das Flugzeug hebt ab und ich kann einen wunderschönen Sonnenuntergang mit einem herrlichen Farbenspiel über dem Indischen Ozean erleben.
Was für ein herrlicher Anblick. Ich verlasse Australien mit der schönsten Erinnerung.





